Literaturgefluester

2017-05-23

Ostende

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Vom Bodensee geht es jetzt nach Ostende und von der Zerstörung der Arbeiterkultur in den Sommer 1936, wo sich Stefan Zweig, Joseph Roth und noch einige andere aus Deutschland Vertriebene trafen.

Ich habe mich ja im vorigen Jahre für meine „Berührungen“ intensiv mit Stefan Zweig beschäftigt, da fast alles, was ich im Hause hatte von ihm gelesen, die Ausnahme war die Biografie von Marie Antoinette aus der Arbeiterbibliothek meiner Eltern, denn die hatte ich noch in meiner Hauptschulzeit gelesen und wollte es nicht nochmals  tun.

Da bin ich auch auf zwei Bücher über Stefan Zweig gestoßen, nämlich auf Volker Weidermanns, dem 1969 in Darmstadt geborenen, der jetzt das literarische Quartett moderiert, „Ostende“ gestoßen, sowie auf Ulrich Weinzierls „Stefan Zweigs brennendes Geheimnis“, wo dieser nachweisen will, daß Zweig ein Exhibionist und Homosexuell gewesen ist.

Etwas, was ich mit Skepsis  betrachtet, es geht mich auch nichts an, auf das Weidermann-Buch war ich aber sehr neugierig und hoffte es irgendwann in einem der Bücherschränke zu finden. Dann bin ich im März nach Leipzig gefahren, habe mich dort mit Ulrike Meier von „Kiepenheuer & Witsch“ getroffen, die mit mir die Herbstvorschau ihres Verlags durchgegangen ist und mich darauf hinwies, von VolkerWeidermann wird ein neues Buch erscheinen.

Da habe ich sie gefragt, ob sie mir vielleicht „Ostende“ schicken könne?

Sie tat es und jetzt habe ich das knapp über hundertfünzig Seiten dünne Büchlein gelesen, das, wie man vielleicht sagen könnte, ein Zeitbild von 1936 gibt, wo sich Stefan Zweig mit seiner damaligen Sekretärin, die auch schon seine Geliebte war, Lotte Altmann nach Ostende begab, um eifrig seine Bücher zu schreiben. Deshalb sollte das Fräulein Lotte auch die Schreibmaschine mitbringen und, wie Volker Weidermann meint, noch einen schönen Sommer zu verleben, bevor der Krieg ausbrach und das Anfang vom Ende begann.

Zweig ist schon einmal, nämlich 1914 in Ostende, wo ja auch ein Krieg begonne hat, gewesen und er war mit Joseph Roth befreundet, dem Monarchisten und Trinker, der damals schon so versoffen war, daß Stefan Zweig dem amerikanischen Verleger vor dem Abfall der Qualität warnte, worauf sich der weigerte, die weiteren Bücher zu verlegen. Sonst hat Zweig, der Millionär, wie er im Buch genannt wird, Roth aber finanziell untersützt. Hat ihm zuerst eine Hose und dann noch eine Anzugjacke nähen lassen und sich mit ihm auch regelmäßgi im Cafe Flore getroffen. Er hat auch geschaut, daß der Trinker regelmäßig eine warme Mahlzeit zu sich nahm und an die frische Luft kam, was Roth nicht so wollte, weil, wie er laut Volker Weidermann sagte, „Die Fische ja auch nicht in Kaffeehaus gingen.“

Es gab aber noch andere Künstler, die im Sommer 1936 Ostende besuchten. Eine davon war die einzige Nichtjüdin in der Runde, nämlich Irmgard Keun, deren Bücher aber von den Nazis verboten wurden. Sie klagte zwar dagegen, hatte aber keine Chance. So kam sie nach Ostende, verliebte sich in Roth, der wie Volker Weidermann erkärt, schon dünn wie ein Gespenst war und kaum Zähne mehr hatte und begann mit ihm eine Beziehung, wo er sie, wie Weidermann schreibt zum Trinken, sie, ihn davon wegbringen wollte, aber Roth hat gesiegt.

Außerdem war noch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch mit seiner Frau Gisela da, das Ehepaar Troller, Hermann Kesten und Arthur Koestler und Volker Weidermann erzählt ein bißchen die Bigorafien der Freunde „Sommer der Freundschaft“, ist ja der Untertitel, aber auch was sonst noch in diesem Jahr passierte.

Schuschnigg ließ sich auf einen Pakt mit Hitler ein, in Deutschland gab es die olympischen Spiele, Klaus Mann hat seinen „Mephisto“ herausgebracht und als der Sommer zu Ende war, zerstoben die Freunde in alle Richtungen.

Zweig fuhr zuerst zum Pen-Kongreß nach Argentinien und dann zum ersten Mal nach Brasilien um zu erkunden, ob das Land eine Lebensform für ihm wäre, wo er sich ja 1942 umbrachte.

Der Film „Vor der Morgenröte“– „Ich grüße alle meine Freunde, mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger gehe ihnen voraus!“, zeigt davon.

Joseph Roth befand sich in finaziellen Nöten, ging mit Irmgard Keun nach Paris, wo sie sich bald von ihm trennte und starb  im Mai 1939.

Irmagard Keun wurde  in den Siebzigerjahren durch die Zeitschrift „Emma“ wiederentdeckt. Da habe ich jedenfalls von ihr gehört, mir ihre Bücher gekauft und gelesen und Volker Weidermanns Zeitbild über den Sommer 1936 kann ich allen an der Geschichte und der Literatur interessierten sehr emfpehlen und mein Buch über die Schreibkrisen und das Theaterstück einer jungen Exil-Iranerin, wo sie Stefan Zweig und Heimito von Doderer am 12. 2. 1934 im Cafe Central treffen, natürlich auch.

2015-12-15

Joeseph Roths Städtebilder

Im Literaturhaus gibt es eine Internationale Joseph Roth Gesellschaft, zumindestens ist Heinz Lunzer, der ehemalige Literaturhausleiter der Vorstand oder Präsident und es finden auch immer Veranstaltungen über den großen Dichter, der 1894 in Ostgalizien geboren wurde und 1939 in Paris gestorben ist und der schon zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts das Kunststück zusammenbrachte, die Literatur mit dem Journalismus zu verbinden, statt.

Meine Jeseph Roth Geschichte, habe ich glaube ich, schon aufgeschrieben, im Bücherkasten meiner Eltern gab es den „Radetzkymarsch“, den habe ich lange ehrfürchtig angestarrt, bis ich das Buch 2012 gelesen habe, da hatte ich in den Siebzigerjahren aber schon die Michael Kehlmann Verfilmung gesehen und war entsetzt, nur eine einzige Frau und die ist eine Hure, eine Haushälterin gibt es, glaube ich, auch und dann das ewige Geschwafel vom Untergang der Monarchie.

Gott, war ich damals naiv, aber das sind wohl die Entwicklungsschritte einer schreibenden Psychologiestudentin aus einer nicht so beaugoisen Schicht, dann gabs irgendwann ein Gedenkjahr und ich habe mir gedacht, ich darf mir keine Bücher kaufen und habe mir dann das „Im Spinnennetz“, „Rechts und Links“ und „Hotel Savoy“ gekauft und wohl auch gelesen.

Die „Kapazinergruft“ habe ich  bewußt ausgelassen und hoffe, daß ich sie noch irgendwann finde und 1994 oder 1995, als ich mit der Betreuung meines Vaters bechäftigt war, habe ich mir von ihm einen Bildband, den, glaube ich, Heinz Lunzer herausgegeben hat, schenken lassen und zu dieser Zeit wäre ich mit Heinz Lunzer und der Gesellschaft fast auch auf eine Studienreise nach Lemberg mitgefahren.

2007 gab es im Literaturhaus, glaube ich, die große Joseph Roth Ausstellung oder war es 2008, ich habe jedenfalls noch nicht gebloggt und ein paar Bücher habe ich mir inzwischen auch gekauft und war bei ein paar Veranstaltungen im Literaturhaus, andere habe ich versäumt, so eine große Roth Spezialistin, Liebhaberin oder Fanin bin ich ja nicht, zu letzt war ich glaube ich im Spittelhauskino bei der Veranstaltung Joseph Roth und der Film und jetzt die „Städtebilder“.

Die letzten Wochen ist es in meiner Praxis und auch so ja ziemlich intensiv zugegangen, so daß ich einige interessante Veranstaltungen, beispielsweise das Symposium zur Sprachkunst auslassen mußte und auch heute hatte ich eine sechs Uhr Stunde, dann bin ich aber mit dem Bus ins Literaturhaus gefahren und ich bin gerade noch zu der Einleitung von dem französischen Literatrurprofessor, es ist ein Germanist, der an der Sorbonne lehrt, Stephane Pesnel zurechtgekommen, der erklärte, daß der Band, der gemeinsam mit den Lunzers und Erika Tunner herausgegeben wurde, auf Grund eines Symposiums, beziehungsweise einem Gespräch in der U-Bahn entstanden ist, denn Joseph Roth ist ja in verschiednen Städten aufgewachsen, beziehungsweise hat er in ihnen gelebt oder über sie geschrieben. Brody, Wien, Berlin, Paris und wahrscheinlich auch noch einige andere und der Professor zählte auch auf, daß bis zum achtzehnten Jahrhundert wenig über Städte geschrieben wurde.

Dann kam E. T. A. Hoffmann und etwas später Alexander Döblin mit Berlin, vorher noch Fontane, Zola über Paris oder Kafka über New York, das er nie bereiste und Joseph Roth war ja auch ein Journalist und hat über die verschiedensten Städte Artikel und Feuilletons geschrieben.

Der jetzt erschienene Baqnd ist auch ein Sammelband, wo die verschiedensten Aspekte von Städteschilderungen von Joseph Roth, Marseille zum Beispiele oder auch westunagrische Städte und Albanienreisen, etcetera von den verschiedensten Autoren beleuchtet wurden.

Stephane Pesnel führte durch das Buch, dann kam schon Heinz Lunzer und erzählte in seiner sehr empathischen Art, daß man den Band geschenkt bekäme, wenn man seinen Mitgliedsbeitrag für 2015 schon bezahlt hätte.

Sonst würde er im Buchhandel fünfzig Euro kosten, wenn man aber jetzt Mitglied wird, bekommt man ihm für fundundreißig, den Mitgliedsbeitrag und bekommt dann noch einen anderen Band der Gesellschaft hinzu, der auch einen ähnlichen Titel hat und über den referierte dann auch Heinz Lunzer, beziehungsweise löste er einen Krimi auf, den 1927 ist Joseph Roth in die SU gereist und hätte dafür für die FAZ vier Artikel schreiben sollen.

Er hat aber nur drei geschrieben, dann gibt es im „Interessanten Blatt“ aber einen, der mit t.- unterzeichnet ist und über Krigisen handelt.

„Die Herren der Steppen – Spezialbericht aus dem Land der Kirgisen“, der ist von Roth, kombinierte Heinz Lunzer messerscharf und teilte  den entsprechenden Artikel zum Nachlesen aus.

Interessant, interessant, nachher gab es Wein und was zum Knabbern und man konnte gleich bei Vikotia Lunzer, die mit ihrem Mitgliedsbuch beim Büchertisch saß, Mitglied werden.

Wurde ich nicht, denn ich bin,  wie bereits erwähnt, keine so große Roth Sepzialistin, wie ich auch Robert Huez sagte, der mich danach fragte.

„Ich trinke Rotwein!“, habe ich ihm geantwortet und offenbar mitverstanden und ja natürlich bin ich, das irgendwie oder sagen wir auf jeden Fall beeidruckt von dem großen Dichter, der sich offenbar aus Verzweiflung zu Tode gesoffen hat und das mit der Monarchie und den alten Herren, die da in einigen seiner Romane herumfstiefeln und um den verstorbenen Kaiser trauern, sehe ich jetzt auch ein wenig anderes und nächste Jahr haben wir  ein besonderes Jubiläum, nämlich Franz Josephs hundertsten Todestag und da habe ich gesehen, als wir gester von St. Pölten nach Wien gefahren sind, wird jetzt schon in Schönbrunn eine Ausstellung angekündigt, die auf dieses Ereignis hinweist.

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