Literaturgefluester

2017-12-14

Träumer

Weiter geht es mit den Literaten, aber jetzt gehen wir um einen Krieg zurück oder in den November 1918,  wo in München die Räterepublik vorbereitet wurde und da für eine kurze Zeit, die Dichter oder „Träumer“ wie es der „Spiegel- Redakteur“ und jetziger Gastgeber des „Literarischen Quartetts“, der  1969 in Darmstadt geborene Volker Weidermann, von dem ich schon „Ostende“ gelesen habe, nannte.

Bei „Kiepenheuer und Witsch“ ist das Sachbuch über eine Utopie, wie man es nennen könnte, herausgekommen und Volker Weidermann hat sich, glaube ich, wieder sehr genau in die Tagebücher und Schriften der damals ortsansäßigen Dichter eingelesen und eine Narration daraus gemacht.

Vielleicht könnte man auch Krimi oder Thriller dazu sagen oder nein, vielleicht nicht, weil die Räterepublik, der ja für kurze Zeit Ernst Toller vorstand und Gustav Landauer Minister oder Volksbeauftragter für Bildung war, war ja gegen Gewalt, obwohl natürlich sehr viel Blut dabei geflossen ist.

Aber erst geht es in den siebenten November 1918 und auf die Münchner Theresienwiese, wo glaube ich, auch die Oktoberfeste stattfinden.

Jetzt ist der Krieg vorbei und die Soldaten rennen noch in Uniformen herum, von denen die Rangabzeichen heruntergenommen wurden und der Journalist und Schriftsteller Kurt Eisner steht da wohl an einem Podium und spricht die revolutionären Massen an. Von ihnen wird er auch getragen, zum ersten Ministerpräsidenten Bayerns gemacht, der König mußte mit seiner Familien fliehen, aber schon im Februar darauf, als er gerade wieder abdanken wollte, weil er die Wahlen nicht gewonnen hat, ermordet wurde.

Seine Kampfgenossen wie Erich Mühlsam, dem er zu wenig revolutionär war, waren dagegen, aber der bekommt, als sich im April eine neue Regierung, eben jene Räterepublik mit dem Schriftsteller Ernst Toller an der Spitze bildet, kein Ministeramt, das bekommen eher schrullige Gestalten, wie ein Dr. Ernst Lipp, der den Papst kennet und ihm seltsame Telegramme schickt, so daß er gleich wieder zurücktreten muß und in ein Sanatorium geschickt wird.

Vergleiche zu schwarz blau I in Österreich können aufkommen, werden in dem Buch aber nicht gezogen, denn Volker Weidermann geht es ja in die damalige Dichterschaft ein und da hat Thomas Mann mit seiner Frau und seinen <kindern in einer Villa  am Herzogpark bei München, das Geld dafür stammte von seiner Schwiegermutter, gelebt, gerade seine „Betrachtungen eines Unpolitischen“ herausgegegben und am siebenten November war er in einem Konzert, das sein Freund der „ultranationale und Antikdemokrat“ Hans Pfitzner, der die Oper „Palästrina“ gegschrieben hat, die mich in meiner Studentenzeit sehr beeindruckt, dirigierte.

Er erlebt die politischen Umwälzungen also am rande mit, genauso wie Rainer Maria Rilke, der am ersten Weltkrieg fast gescheitert wäre, Stephan Zweig hat ihm, glaube ich, eine Stelle im einem Kiegsarchiv verschafft, damit er nicht an die Front mußte, der aber offenbar von den Umwälzungen angetan war, genauso wie vielleicht oder angeblich ein Gefreiter und erfolgloser Kunstmaler namens Adolf Hitler, der zwar bestritten hat, am Eisler Begräbnis dabei gewesen zu sein, aber angeblich auf einer Fotografie zu sehen war.

Thomas Mann Bruder Heinrich war dagegen politisch revolutionärer und sein  dreizehnhähriger Sohn Klaus, hat ein Theaterstück über die Machtergreifung Eislers geschrieben.

Es gab aber noch andere,  mehr oder weniger damit befaßte Dichter, wie  zum Beispiel Erich Mühsam, der zwar die Villa eines Holländers zur zur  „Unabhängigen Räterepublik“ ausrief, um weiter mit dem Freund ungestört trinken zu können, aber ebenfalls ministerlos vom Wittelsbacher Palais zurückkehrte und Hermann Hesse gab es auch oder eigentlich ein Manuskript namens „Deminan“ das Aufsehen erregte und von einem Debütanten namens Emil Sinclair geschrieben worden sein soll, der mußte den „Fontane-Preis“ den er dafür bekommen sollte,  aber wieder zurückgeben, denn Hesse war damals  einundvierzig Jahre alt und hatte schon Werke, wie „Unterm Rad“ und „Peter Camenhind“ geschrieben.

Ein gewisser Ret Martut der den „Ziegelbrenner“ herausgegeben hat und der sich später nach Mexiko zurückgezogen hat, wird auch erwähnt. Volker Waidermann meint, er hätte dort Romane unter dem Namen B. Traven herausgegeben, aber so viel ich weiß,  weiß man noch immer nicht wer  B. Traven war.

Man sieht also, Volker Weidermann führt sehr genau in die Zeit hinaein und läßt uns mitschnuppern, wie es damals in München vielleicht war, als die Dichter und die Träumer für eine Zeitlang die Macht übernahmen und die gewaltfrei ausüben, das Geld abschaffen und noch vieles andere, wollten.

Gegen die Gewaltfreiheit waren seltsamerweise die Kommunisten, die meinten, daß man so keine Revolution machen kann und sdaher die Regierungsbeteiligung verweigerten, Toller schon ein paar Tage später wieder absetzen wollten und das in einerm Bierkeller beschlossen Ernst Toller ging hinüber, wollte reden, durfte nicht, tat es doch,wurde dann verhaftet, kam aber wieder frei und es ging noch eine Zeitlang weiter mit der Unsicherheit, wo jeder seine eigene Räterepublik gründete und Erich Mühsam mit einem Lastwagen Rundfahrten auf Münchens Straßen machte, von dem herunter er dann seine Gedichte , wie „Die Sonne der Freiheit“,  das er gar nicht geschrieben hat, deklamierte.

Am Palmsonntag kommt es dann zum Putsch, die Kommunisten übernehmen die Regierung und werden im Mai schon von der weißen Garde abgelöst, es kommt zu Verhaftungen und Erschießungen. Gustav Landauer wird erschoßen, Ernst Toller, der sich versteckt hält, bekommt fünf Jahre Festungshaft, wo er 1924 entlassen wird, nach Amerika emigriert und sich 1939 im Hotel Mayflower in New York erhängt.

Erich Mühsam wurde von den Nazis ermordet, Oskar Maria Graf, der ja 1933 bedauerte, daß die Nazis ihm nicht auch verbrannten, emigrierte ebenfalls nach Amerika.

Thomas Mann und Rainer Maria Rilke, die bürgerlichen, die nur am Rand an dieser Revolution beteiligt waren, verließen ebenfalls München. Der eine übersiedelte nach Lübek, der andere ging in die Schweiz und die Geschichte ging weiter.

Überrollte die Republik der Träumer, die sich nicht lange halten konnte. Das Weitere ist wahrscheinlich bekannt, man lernt es in der Schule und kann  hier an verschiedenen Stellen  auch nachgelesen werden.

„Lustig, aufregend, viel Neues, tolle Recherche. Das wird Furore machen.“, schreibt Hans Magnus Enzensberger am Buchrücken und ich antworte, wie meine Leser vermuten werden, daß ich das Buch zwar nicht lustig, aber interessant gefunden hatte und Volker Weidermanns Recherche für mich tatsächlich viel Neues enthielt.

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2017-05-23

Ostende

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Vom Bodensee geht es jetzt nach Ostende und von der Zerstörung der Arbeiterkultur in den Sommer 1936, wo sich Stefan Zweig, Joseph Roth und noch einige andere aus Deutschland Vertriebene trafen.

Ich habe mich ja im vorigen Jahre für meine „Berührungen“ intensiv mit Stefan Zweig beschäftigt, da fast alles, was ich im Hause hatte von ihm gelesen, die Ausnahme war die Biografie von Marie Antoinette aus der Arbeiterbibliothek meiner Eltern, denn die hatte ich noch in meiner Hauptschulzeit gelesen und wollte es nicht nochmals  tun.

Da bin ich auch auf zwei Bücher über Stefan Zweig gestoßen, nämlich auf Volker Weidermanns, dem 1969 in Darmstadt geborenen, der jetzt das literarische Quartett moderiert, „Ostende“ gestoßen, sowie auf Ulrich Weinzierls „Stefan Zweigs brennendes Geheimnis“, wo dieser nachweisen will, daß Zweig ein Exhibionist und Homosexuell gewesen ist.

Etwas, was ich mit Skepsis  betrachtet, es geht mich auch nichts an, auf das Weidermann-Buch war ich aber sehr neugierig und hoffte es irgendwann in einem der Bücherschränke zu finden. Dann bin ich im März nach Leipzig gefahren, habe mich dort mit Ulrike Meier von „Kiepenheuer & Witsch“ getroffen, die mit mir die Herbstvorschau ihres Verlags durchgegangen ist und mich darauf hinwies, von VolkerWeidermann wird ein neues Buch erscheinen.

Da habe ich sie gefragt, ob sie mir vielleicht „Ostende“ schicken könne?

Sie tat es und jetzt habe ich das knapp über hundertfünzig Seiten dünne Büchlein gelesen, das, wie man vielleicht sagen könnte, ein Zeitbild von 1936 gibt, wo sich Stefan Zweig mit seiner damaligen Sekretärin, die auch schon seine Geliebte war, Lotte Altmann nach Ostende begab, um eifrig seine Bücher zu schreiben. Deshalb sollte das Fräulein Lotte auch die Schreibmaschine mitbringen und, wie Volker Weidermann meint, noch einen schönen Sommer zu verleben, bevor der Krieg ausbrach und das Anfang vom Ende begann.

Zweig ist schon einmal, nämlich 1914 in Ostende, wo ja auch ein Krieg begonne hat, gewesen und er war mit Joseph Roth befreundet, dem Monarchisten und Trinker, der damals schon so versoffen war, daß Stefan Zweig dem amerikanischen Verleger vor dem Abfall der Qualität warnte, worauf sich der weigerte, die weiteren Bücher zu verlegen. Sonst hat Zweig, der Millionär, wie er im Buch genannt wird, Roth aber finanziell untersützt. Hat ihm zuerst eine Hose und dann noch eine Anzugjacke nähen lassen und sich mit ihm auch regelmäßgi im Cafe Flore getroffen. Er hat auch geschaut, daß der Trinker regelmäßig eine warme Mahlzeit zu sich nahm und an die frische Luft kam, was Roth nicht so wollte, weil, wie er laut Volker Weidermann sagte, „Die Fische ja auch nicht in Kaffeehaus gingen.“

Es gab aber noch andere Künstler, die im Sommer 1936 Ostende besuchten. Eine davon war die einzige Nichtjüdin in der Runde, nämlich Irmgard Keun, deren Bücher aber von den Nazis verboten wurden. Sie klagte zwar dagegen, hatte aber keine Chance. So kam sie nach Ostende, verliebte sich in Roth, der wie Volker Weidermann erkärt, schon dünn wie ein Gespenst war und kaum Zähne mehr hatte und begann mit ihm eine Beziehung, wo er sie, wie Weidermann schreibt zum Trinken, sie, ihn davon wegbringen wollte, aber Roth hat gesiegt.

Außerdem war noch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch mit seiner Frau Gisela da, das Ehepaar Troller, Hermann Kesten und Arthur Koestler und Volker Weidermann erzählt ein bißchen die Bigorafien der Freunde „Sommer der Freundschaft“, ist ja der Untertitel, aber auch was sonst noch in diesem Jahr passierte.

Schuschnigg ließ sich auf einen Pakt mit Hitler ein, in Deutschland gab es die olympischen Spiele, Klaus Mann hat seinen „Mephisto“ herausgebracht und als der Sommer zu Ende war, zerstoben die Freunde in alle Richtungen.

Zweig fuhr zuerst zum Pen-Kongreß nach Argentinien und dann zum ersten Mal nach Brasilien um zu erkunden, ob das Land eine Lebensform für ihm wäre, wo er sich ja 1942 umbrachte.

Der Film „Vor der Morgenröte“– „Ich grüße alle meine Freunde, mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger gehe ihnen voraus!“, zeigt davon.

Joseph Roth befand sich in finaziellen Nöten, ging mit Irmgard Keun nach Paris, wo sie sich bald von ihm trennte und starb  im Mai 1939.

Irmagard Keun wurde  in den Siebzigerjahren durch die Zeitschrift „Emma“ wiederentdeckt. Da habe ich jedenfalls von ihr gehört, mir ihre Bücher gekauft und gelesen und Volker Weidermanns Zeitbild über den Sommer 1936 kann ich allen an der Geschichte und der Literatur interessierten sehr emfpehlen und mein Buch über die Schreibkrisen und das Theaterstück einer jungen Exil-Iranerin, wo sie Stefan Zweig und Heimito von Doderer am 12. 2. 1934 im Cafe Central treffen, natürlich auch.

2016-10-16

Literarische Fernsehformate

Literatur und Fernsehen, wie geht das zusammen? Gar nicht wahrscheinscheinlich oder so wie Literatur und Internet, aber ich verbringe wahrscheinlich mehr Zeit mit dem Bloggen, als mit dem Lesen und Büchersendungen, die den Leuten das Lesen näherbringen sollen, gibt es natürlich auch.

Die kenne ich als Nichtfernseherin vom Hörensagen oder wieder durch das Netz, weil man sie sich dort ja anschauen kann und die legendärste und berühmteste, war, als es noch kein Netz gab, wohl das „Literarische Quartett“ mit dem legendären Marcel Reich-Ranicki, dem streitbaren alten Herrn mit dem dramatischen Lebenslauf. Als er gestorben ist, habe ich mir ein paar Tage lang, glaube ich, alle Videos, die es über ihm gegeben hat, samt dem berühmten Film, im Netz angesehen, der die Faust hochgehoben hat und laut „Das ist keine Literatur!“, geschrieen hat.

Er hat, glaube ich, auch, als die „Gefährliche Geliebte“ von Haruki Murakami besprochen wurde, seine Mitstreiterin  Sigrid Löffler bedleidigt und, als einmal einer der Zuhörer mitdiskutieren wollte, wurde er autoritär des Platzes verwiesen.

Er hat aber auch, als er 2008 oder 2009 einen Fernsehpreis bekommen sollte, diesen abgelehnt, weil die Büchersendungen im Fernsehen so spät stattfinden, daß die meisten Bücherleser schon schlafen, worauf ihn Elke Heidenreich, auch eine legendäre Bücherstreiterin unterstützte und ihre Fernsehleiste „Lesen“, die es dann eine Weile im Internet gab, verlor.

Das „Literarische Quartett“ gibt es inzwischen mit Maxim Biller, Christine Westermann, moderiert von Volker Weidermann mit jeweils einem Gast, wieder, wo offenbar nach dem berühmten Vorbild jeweils vier Bücher besprochen werden und dem 1960 in Prag geborenen Schriftsteller Maxim Biller, von dem ich einmal den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“ gefunden habe, kommt offenbar die Rolle des Krokodils im Kasperltheater zu, der auftritt und zu dem jeweils zu besprechenden Buch „Das ist der größte Quatsch auf Erden!“, sagen soll und dabei lausbubenhaft grinst. Da wird er dann meistens von der mütterlich wirkenden Journalistin Christine Westermann unterbrochen, die soweit sie neben dem energischen Streibaren zu Wort kommt, das Buch verteidigt.

Ein paar dieser Sendungen habe ich mir schon angesehen, im Literaturcafe werden sie auch moderiert und den Leuten scheint der streitbare Herr Biller, der offenbar Peep in die Sendungen bringen soll, damit die Leute nicht einschlafen, auch zu gefallen.

Ich war bis jetzt indifferent, habe mir die Sendungen angesehen und die Achseln gezuckt, denn es ja irgendwie auch bei  mir so, daß ich für meine Bücherempfehlungen das Fernsehen nicht brauche.

Ich weiß nicht woher ich sie beziehe, aber ich habe keinen Büchermangel und bin derzeit sowieso wild beim Buchpreisbloggen, das heißt mit dem deutschen, wo der Preis ja Morgen abend vergeben wird, bin ich schon fast fertig und habe außer „Hool“ und „München“ schon alle Bücher gelesen und habe auch schon meine höchstpersönlichen Preisfavoriten, das heißt eigentlich zwei Katja Lange Müller, dicht gefolgt von Sybille Lewitscharoff und dann ist ja noch Thomas Melles „Die Welt im Rücken“  im Gespräch, das im Gegensatz zu den beiden anderen Büchern tatsächlich auf der Liste steht und obwohl das Buch ja kein Roman ist und den Preis wahrscheinlich bekommen wird.

So könnte ich es mir jedenfalls vorstellen und das meinen auch die meisten anderen Bücherblogger, dann steht noch Andrej Kubiczek mit seinem DDR-Roman auf der Shortlist, der mir  auch sehr gut gefallen hat.

Mir haben dann noch die Bücher von Reinhard Kaiser Mühlecker und Peter Stamm wenigstens tur Hälfte so gut gefallen, daß sie auf meiner persönlichen Shortlist wären und einige andere, wie beispielsweise Arnold Stadlers „Rauschzeit“ und Joachim Meyerhoffs „Ach diese Lücke, diese entsetztlich Lücke“, eher nicht.

Aber da merke ich mein Mißfallen an, beispielsweise diese eher schiefe Metapher in „Am Rand“ und schreie nicht „So ein Quatsch!“, denn ich habe es, da ich ja auch nicht so gerne verissen werden, nicht so mit dem Verreißen und denke, das muß man auch nicht tuin.

Im Fernsehen aber offenbar schon, obwohl es da auch Gegenbeispiele gibt, auf die ich noch zurückkommen werde, aber am Freitag wurde im „Literarischen Quartett“ mit den drei erwähnte n Stammmoderatoren und Thomas Glavinic, als Gast unter anderen die Buchpreisbücher von Thomas Melle und Andrej Kubiczek vorgestellt und Maxim Biller ist bei dem Memoir von Thomas Melle, wie schon beschrieben hergegangen und hat „Ich finde es eineKatastrophe, daß dieses Buch erschienen ist!“, gesagt und bei dem von Andrej Kubiczek hat er es ein paar Minuten später auch getan und hinzugefügt, daß man da sieht, daß die Buchpreise ein Quatsch oder Mist wären, wenn solche Bücher darauf kämen.

Da kam es dann zu einem Streitgespräch und einem mehr oder weniger kurzen Schlagabtausch zwischen Christine Westermann, die sich verteidigend einschaltete und dem Moderatur Weidermann, der glaube ich, den Melle vorgeschlagen hat und ich bin ein paar Minuten lang dagesessen und habe mir „Ho?“ gedacht.

Denn jenseits aller Kritik, die glaube ich, speziell das „Literaturcafe“ bezüglich dieser Sendeleistung hat, habe ich mir schon gedacht, daß das eine qualitätsvolle Sendung ist und es interessant ist, der Dikskussion zuzuhören, aber hier kann ich eigentlich auch nur „So ein Quatsch!“ sagen, denn ein bißchen Einwand habe ich ja auch, wenn Thomas Melle, morgen vielleicht den „Deutschen Buchpreis“ für den besten Roman des Jahres bekommt, denn „Die Welt im Rücken“ ist kein solcher, sondern ein Bericht über seine bipolare Depression und wenn ich dann einen anerkannten Fernsehmoderator sagen höre, daß das Buch nicht auf diese Liste soll, weil es etwas für Voyeure ist, dann setze ich aus.

Die berühmte Schwiegermutter, die sich für Joachim Meyerhoff interessiert und den toll findet und keinen Sohn und keine Tochter mit Psychoseerfahrung hat, wird zugegebenerweise mit dem Buch vielleicht nichts anfangen können, aber sonst finde ich, sehr wohl, daß man über diese Krankheitsbilder sprechen soll und wenn das dann noch am letzten wissenschaftlichen Stand und in einer literarischen Sprache passiert, ist es vielleicht nicht nur ein Buch für angehende Psychiater sondern eigentlich eines für alle, die sich für das Leben und seine Tücke interessieren und Thomas Melle ist mit seinen zwei früheren Büchern „3000 Euro“ und „Sickster“ schon auf der Long- oder sogar Shortlist gestanden und da ist er um den Brei herumgeschlichen und hat die manisch depressive Krankheit in Romanform beschrieben, also literarisiert und jetzt damit ein „Memoir“ oder einen „Personal Essay“ geschrieben.

Wie das geht, kann man im „Writerstudio“ lernen, in die Moderatorenwelt scheinen sich diese Begriffe noch nicht herumgesprochen zu haben, so fragte der streitbare Herr Biller, ob er nur den Inhalt oder die literarische form besprechen soll,  grinste diabolisch  und meinte dann, literarisch ists ein Schmarrn, da haben ihn dann die anderen widersprochen, die fanden, daß die Sprache literarischer, als der leichte lockere Plauderton, des Andrej Kubiczek ist  und ich habe von einigen Bloggern gehört, daß das Buch sie langweilen würde, weil da ja immer das gleiche passiert.

Natürlich, die Manie folgt der Depression und umgekehrt und einen Roman kann ich weglegen und sagen, das will ich nicht lesen!

Wenn ich selbst betroffen bin und die Phasen durchmache, werde ich wahrscheinlich daran scheitern und das ist es wahrscheinlich auch, was das Buch tatsächlich von einem Roman unterscheidet, weil ich das manisch depressive Krankheitsbild von dem sich die nicht Betroffenen auch gern herumdrücken, ja nicht wirklich kritisieren kann.

Die vier Kritiker haben es versucht, daß heißt Weidermann war begeistert, Westermann hat verteidigt und Thomas Glavinic mit dem ich als Schriftsteller  manchmal meine Schwierigkeiten habe, weil zu aggressiv, hat ja, glaube ich, auch einmal gesagt, er würde keine Bücher lesen, weil er sonst nicht zu schreiben kommt.

Das hört man manchmal von Schriftstellern und ist wahrscheinlich legitim, aber dann kamm man wahrscheinlich auch keine kritisieren. Thomas Glavinic hat sich aber trotzdem redlich bemüht und hat es, glaube ich, gar nicht so schlecht gemacht, obwohl die Kritiker im Netz von einem „stotternden Glavinic“ sprachen.

Ich meine eher, er hat sich nicht wirklich ausgekannt und nur ein paar Klischees widergegeben, wie das, das ich, glaube ich, einmal von Daniel Kehlmann hörte, daß alle Schriftsteller lügen würden und daß das Melle Buch daher natürlich ein Roman wäre.

„Ist es nicht!“, würde ich hier wieder antworten, obwohl es natürlich stimmt, daß es wahrscheinlich trotzdem literarisch aufbereitet wurde und, daß das gar nicht anders geht.

Aber ich würde mich nicht dem Satz anschließen, daß die Schriftsteller lügen, wenn sie fabulieren und hier geht es, um eine Autobiografie und spannend für mich war, die großen Namen des literarischen Quartett haben das Buch nicht verstanden.

Kann ja sein, aber dann sollen sie nicht darüber in diesen Ton reden, auch wenn das Fernsehen vielleicht einen Kasperl oder ein Krokodil haben will, um die Leute an der Stange zu halten, das brav „So ein Mist!“ schreit“

Zwei Bücher, die auf der Shortlist des dBp stehen werden das wahrscheinlich nicht sein, denn die Juroren dieses Preises werden sich ja etwas gedacht haben, als sie sie daraufsetzten und weil ich jetzt ja Buchpreis blogge habe ich die beiden Bücher gelesen und bin zu einem anderen Urteil gekommen.

Bei Beiden. Beim Melle habe ich gedacht, das ist kein Roman und dürfte den Ausschreibungskriterien nach also nicht gewinnen und bei Andrej Kubiczeks DDR-Roman in dem er das Leben mit Sechzehn in einem leichten lockeren Erzählton beschreibt, hat mir auch gefallen.

Auch, daß die Quintessenz ist, daß das Leben, wenn man sechzehn ist, tausend Mark inder Tasche und eine sturmfreie Bude hat, rauchen und trinken und den Mädchen nachschielen kann, auch in einer Diktarur sehr schön sein kann und ich war im Sommer 1985 mit dem Alfred und der kleinen Anna in der DDR, dort haben wir Alfreds Verwandten besucht, die uns bekochten und die Sehenswürdigkeiten zeigten und dabei habe ich sehr wohl die bösen Blicke der DDR-Bürger gesehen, die sie uns zuwarfen, weil wir schöner und bunter angezogen war.

Daß das Buch also ein wenig verklärt ist und  Renes Vaters ein Parteifunktionär ist, weil er sechs Wochen in die Schweiz reisen darf, habe ich mir  auch gedacht, sonst aber sehr wohl Kritik in dem Buch gesehen, Maxims Biller, der wieder losschimpfte, aber nicht und hier wurde er auch von Volker Weidermann, der auch Schriftsteller ist und das  Buch „Ostende“, wo sich Stefan Zweig und  einige andere Emigranten  im Sommer 1936 trafen, geschrieben hat, unterstützt, der ebenfalls meinte, daß man die DDR nicht verklären darf.

Warum eigentlich nicht, wenn man es so erlebte? Die realen Fakten kann man ja in anderen Büchern nachlesen und, daß die Sprache so niedlich und einfach ist, habe ich auch nicht empfunden, wenn es vielleicht auch ein Buch ist, daß sich an Jugendliche richtet und die beiden streitbaren Herren haben und deshalb schreibe ich diesen Artikel, meiner Meinung nach den beiden Büchern sehr geschadet, denn ich gehe ja davon aus, daß die meisten Zuhörer dieser Sendung, die Bücher nicht gelesen haben. Wenn die jetzt das Fernsehen abdrehten und mit der Erkenntnis schlafengingen, daß die beiden Shortlistbücher Quatsch sind und Buchpreise überhaupt das letzte, dann ist,  glaube ich, erstens etwas schiefgelaufen und zweitens stimmt es nicht und ich erwarte mir von Büchersendungen eigentlich qualifizierte Moderatoren, die ihr Geschäft verstehen und mich qualifiziert beraten  und nicht von vornherein „Quatsch und Mist!“, schreien, damit eine mütterlich wirkende Frau, die sich meistens nicht durchsetzen kann, die Bücher erfolglos lächelnd verteidigen kann.

So nicht, denke ich, die ich ja froh darüber ist, daß es keine Literaturkritik a la Reich Ranicki mehr gibt und, daß der auch sehr viel Schaden angerichtet hat, hat ja Michael Köhlmeier in seiner Rede zum „Bachmannpreis“ vor ein paar Jahren bewiesen.

Eine solche Literaturleiste brauche ich also nicht, es gibt aber noch andere.

In Österreich gibt es, glaube ich, die Sendung „Lesart“ die ich kaum kenne, weil ich kein Fernsehen habe und im Netz auch nicht darauf stoße, ich war aber zweimal live dabei, einmal im Literaturhaus als Katja Lange Müllers „Böse Schafe“ vorgestellt wurden und einmal zur Eröffnung der Buch-Wien in der „Grünangergasse“, da wird mit dem Publikum vorher der Applaus eingeübt und man muß sonst den Mundhalten und dann gibt es noch den Dennis Scheck mit seinem „Druckfrisch“.

Da gibt es eine Leiste, wo er sich an eine Rutsche stellt und die Spiegel-Bestsellerliste entweder hinunterschmeißt oder einbehält, auch etwas was mir mißfällt und man nicht machen sollte.

Wolfgang Herles hatte eine solche Sendung, wo er, glaube ich, Ferdinand von Schirach einmal sehr kritisierte, daß ich den Kopf schüttelte und es gab noch eine andere mit Amelie Fried, glaube ich, die inzwischen ebenfalls eingestellt wurde.

In der Schweiz gibt es den „Literaurclub“ und der gilt, glaube ich, als positives Gegenbeispiel zum „Literairschen Quartett“, da wird auch meist sachlicher dikutiert, als aber Elke Heidenreich vor ein paar Jahren, ein falsches Zitat brachte, hat man  nicht sie, sondern den Moderator abgesetzt und durch eine hübsche blonde Moderatorin ersetzt, was ich seltsam fand, während Elke Heidenreich noch immer mitstreitet und das vor letzte Mal, glaube ich, Michelles  Steinbeck mit  ihrem sehr experimentellen Debutroman, mit dem sie inzwischen auch auf der Scheizer Shortlist steht, eine Krankheit diagnostizierte.

So nicht, liebe Kritiker, würde ich da sagen, es geht auch anders, man kann würde ich zumindestens hoffen, auch im Fernsehen Bücher besprechen ohne sie zu verreißen und wenn man das schon unbedingt tun will, dann sollte man das differenzierter tun und nicht einen Moderator dafür einsetzen, der nur „Das ist schlecht!“ sagt und die qualfizierte Begründung dafür schuldig bleibt!

Es gibt aber wie ich bei den Bloggern lesen kann, auch eine deutsche Alternative, die deutlich besser ist und die ich mir vielleicht einmal ansehen sollte.

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