Literaturgefluester

2021-03-06

Die Erfindung der Sprache

jetzt kommt ein Unterhaltungsroman mit wahrscheinlich Bestsellerqualität, denn die 1979 in Dresden geborene Anja Baumheier hat mit „Kranichland“ und „Kastanienjahre“ schon zwei solche geschrieben, von denen ich schon gehört aber nicht gelesen und auch nicht in meinen Regalen habe.

„Rowohlt“ hat mir das bei „Kindler“ erschienene Buch zugeschickt und es erinnert mich, obwohl es trotz seines Titels sprachlich wahrscheinlich nicht so anspruchsvoll ist, an Benedict Wells neuen Buch.

Beide scheinen jedenfalls mit vielen literarischen Anspielungen sehr konstruiert zu sein und Anja Baumheier spielt auch sehr auf die „Heldenreise“ an. Sie macht Adam, ihren Hauptprotagonisten zu einem solchen und läßt ihn auf eine solche gehen und ich, die ich ja bekanntlicherweise meine Schwierigkeiten mit diesem hochgelobten Schreibhilfsmittel habe, könnte, wenn ich mir nur die Zeit dazu nehme, das Buch durchgehen und über jeden Kapitel, die einzelnen Stufen des von Campell ermittelten Schemas notieren und noch etwas ist sehr interessant, die Namen.

Heißt der Held doch Adam Riese, eine Zola Hübner, eine Udine Abendroth, eine Bonna Poppinga gibt es auch und ich habe beim „Verrückten Traum der Thea Leitner“ ja einen Günther Grass als Helden gehabt und wurde von Elfriede Haslehner sehr deshalb gerügt und bei der „Sophie Hungers“,die ja auch ein Roadmovie ist, gab es einen regen Kommentarwechsel mit meiner ersten Kritikerin.

Es geht also doch solche Namen zu verwenden und sogar vermutlich in Bestsellerränge zu kommen, literarische Anspielungen, was mir auch immer vorgeworfen wird, sind offenbar auch erlaubt und pschologisch hat sich Anja Baumheier offenbar auch sehr schlau gemacht und ich könnte dieses Buch wahrscheinlich wieder meinen Angstpatientin sehr empfehlen, denn darum geht es in dem Buch, um Panikattacken und sogar Autismus und noch vieles mehr, offenbar hat Corona im letzten jahr viele Autoren auf die Idee sich mit dem thema Angst zu beschäftigen, gebracht.

Interessant ist auch der Schreibstil, denn da wird sowohl vorwärts, als auch rückwärts erzählt. Da ist also Adam Riese. Er ist dreiunddreißig, Sprachwissenschaftler, wohnt in Berlin und gerade bei einem Speeddating. Das endet fürchterlich, den Adam ist sehr unbeholfen, obwohl wahrscheinlich ein Genie. Er hat eine Sprachassistentin, ja das Buch ist sehr modern und lebt von Listen, die seine Therapeutin Dr. Modder mit ihm entwickeln hat, darauf stehen sieben Dinge, denn die Zahl sieben ist für Adam auch sehr relevant,

1.Nehmen Sie eine aufrechte, offene und starke Körperhaltung ein.

2. Atmen Sie ruhig in den Bauch länger aus als ein, und zählen Sie dabei im Kopf bis drei.

3. Nutzen Sie die wassermagie, trinken Sie Ihre Angst weg“ und so weiter und so fort.

„Einatmen, ausatmen!“, spielt auch eine große Rolle und als Adam in seine Vorlesung gehen will, geht es so richtig los. Denn Adam, der auf einer kleinen ostfriesischen Insel mit seiner tschechischen Großmutter Leska, seiner Mutter Oda und seinem Vater Hubert aufgewachsen hat, hat diesen, als er dreizehn war, verloren. Der ist einfach verschwunden. Danach hat seine Mutter mit dem germanischen Heldennamen, die Radiomoderatorin war, zu sprechen aufgehört und jetzt ist sie vor einer Buchhhandlung umgefallen und ins Spital gekommen. Denn sie hat dort ein Buch namens „Die Erfindung der Sprache“ entdeckt. Die Großmutter, eine begnadete Köchin, die allen immer ihre Plastikdosen mit ihren tschechisch-friesischen Köstlichkeiten in die Hände drückt und dazu deutschtschechisch radebrecht „Ach, Ubocik, was du redet. Ich denke Karel Gott, Goldene Stimme aus Prag. Nur mehr Kilogramm auf Hüftchen, weil Hubertcik ist Leckermäuchen.“, ruft ihn an und fordert ihn auf schnell zu kommen, was Adam in Panik versetzt. Denn er hat ja viele Phobien. So bucht er im Bus einen zweiten Platz, um den Abstand zu halten.

Ja, das Buch scheint 2020 geschrieben zu sein, so daß auch unser neues Sprachvokublar einfließt, obwohl es um Corona gar nicht geht. Dafür um vieles andere, wie beispielsweise einen Plagiatsskandal. Adam kommt jedenfalls an, erfährt, daß die Mutter in dem Buch, das von einer Zola Hübner geschrieben wurde, entdeckte, daß, der verschwundene Hubert zu leben scheint und hört auch zu essen auf, so daß Adam handeln muß.

Was er umsoleichter kann, als ihm die Universiät zu suspendieren scheint, weil er, wie ihm sein Kollege Dr. Nacht flüstert, plagiiert haben soll. Das gibt Adam den Weg frei, sich auf ein Roadmovie zu machen und seine Heldenreisezu absolvieren. Denn er bekommt das Buch in seiner Lieblingsbuchhandlung, der Udine Abendroth nicht gleich. Dafür erscheint aber Zola Hübner, die Logopädin, die etwas seltsam spricht „Käffchen, Gerätchen“, aber die Frage ausspricht, ob Adam vielleicht Autist ist und ausschaut wie Lisbeth Salanda aus der Steg Larsson-Reihe, auch eine Spezialität Baumheiers, daß die Personen öfter, wie Filmhelden ausschauen und fordert ihm auf, mit ihr nach Hubert zu suchen.

Denn der Verschwundene, der sich auch schon auf der Insel, wo er als Leuchtturmrestaurator aufgetaucht, seltsam benommen hat, war irgendwann in Göttingen und hatte ein Verhältnis mit Zolas Mutter, die nach dem französischen Dichter Emile Zola heißt, denn die Mutter schwärmte für die Franzosen und ist dann auch verschwunden. So überfredet sie ihm, sich mit ihr in ihr alterschwaches Auto zu setzen und nach Bad Kissingen zu fahren, wo es Spuren und das Grab von Huberts Vater gibt. Noch ein Detail, Zola hat sich Hubert als „Über“ Giant vorgestellt und auf dem Grab des Großvaters steht Pavel Obri, was offenbar auf tschechisch, Riese bedeutet, denn der Großvater war auch ein Tscheche und Schauspieler im Prager Nationaltheater. Dort fahren die Beiden dann auch hin und mehrere Heldenreisenstufen passieren. Das Auto wird gestohlen, taucht dann wieder wieder auf und Zola vefrschwindet, weil ihr Ex, das Arschloch, ihre Mutter bedroht.

So muß der arme Held seine Reise alleine weiter machen. Stimmt nicht ganz, denn dem Katzenphobiker ist inzwischen eine solche übern Weg gelaufen, die er „Zola, die Katze“ nennt und in die er sich sofort verliebt. Die Spur führt dann nach Frankreich, in die Betagne. Dort wird Hubert noch zusammengeschlagen, sein Geld wird gestohlen, damit alle Heldenreisenstufen erfüllt sind, bevor er auf einer weiteren Insel seinen Vater, der sich inzwischen „Herve le Braz“ nennt, was auf bretanisch Riese heißt und das Gemischtwarengeschäft, der Insel betreibt. Die Restfamilie, sowie die Buchhändlerin tauchen auf und um nun noch den Rest zu spoilern, Achtung, ich habe viele der unzähligen Details ausgelassen, fängt Oda am Schluß auch noch zu sprechen an.

Spannend und interessant könnte ich nun wieder schreiben. Ein bißchen kitschig ist es sicher auch und an einem Faux paxs ist Anja Baumheier elegant vorbeigeschrammt. Denn um Huberts Geheimnis zu lösen, outet er sich am Schluß, er ist schizopheren und deshalb vor allem geflüchtet. Er hat auch seinen Sohn ein Buch mit dem Titel „Mein Leben in zwei Welten“ bevor er verschwunden ist, hinterlassen und ich habe gedacht „Uje, uje, jetzt kommt das mit dem „Zweigespalten“ als Erklärung!“

Etwas worüber sich Prof Katschnig, der gewesene Pyschiatrieprofessor vom AKH, ja sehr wehrte, die Schizophrenie so zu erklären. Wurde dann auch nicht so definiert und unterhaltsam ist das Buches sicherlich, gut recherchiert ebenfalls und man kann sicher viel daraus lernen oder darüber nachdenken.

„Ein grosser Roman über die Magie der Sprache, die Kraft der Gemeinschaft und eine ganz besondere Familie“, steht am Buchrücken. So kann man es auch interpretieren.

Warum das Buch „Die Erfindung der Sprache heißt“ ist mir auch nicht so ganz klar. Gut, Adam hat erst mit Zwei sprechen zu begonnen. Aber das hat die Anna auch getan und wird bei der Lia wahrscheinlich ebenfalls so sein.

Meiner Meinung nach hätte „Die Überwindung derAngst“ besser gepasst. Aber das würde vielleicht als zu plakativ empfunden.

2017-01-14

Verpfändetes Leben

Weiter geht es mit einem Buch aus meinem Vicki Baum Schwerpunkt, da hatte ich ja 2016 sechs Bücher auf meiner Leseliste, die ich so nach und nach aus den Schränken angesammelt habe und seltsamerweise, waren die ersten drei späte,  die anderen  frühere Werke. Dann habe ich die Bücher bis auf die „Karriere der Doris Hart“, 1936 geschreiben oder erschienen, auf 2017 verschoben.

„Liebe und Tod auf Bali“ zwischen den Jahre gelesen und mir jetzt „Verpfändetes Leben“, 1946, steht in „Wikipedia“, im Buch und auch im Netz habe ich gefunden, das es posthum erschienen ist und das ist interessant, denn es finden sich einige Elemente, der „Doris Hart“ darin, der Schuß, der aus Liebe oder Eifersucht abgegeben wird, das Opfer, das sich mit dem Täter solidarisiert, das Krankenhausszenarium, der reiche Mann, der alles zahlt und auch die Gesangslehrerin, die Stimmen kaputt macht, der künstlerische Aufstieg eines armen Mädchens, beispielsweise.

Ein bißchen dichter komponiert ist es mir zumindest am Anfang erschienen, bei der „Doris Hart“ ist mir ja das Spiel, um die Moral oder Unmoral der kleinen Mädchen ein bißchen auf die Nerven gegangen, hier geht es eher um die starken oder auch vermeintlich schwachen Frauen, aber irgendwie ist die Handlung genauso unglaubwürdig und operettenhaft, obwohl sie irgendwie packender geschildert scheint.

„In dieser souverän psychologischen Studie  erzählt Vicki Baum  die Geschichte der attraktiven Broadway-Sängerin Marylinn und ihrer Managerin Bess, die selbstlos und unermüdlich zum Ruhm des faszinierenden Stars arbeitet, dieses hübschen aber einfältigen Mädchen aus einer Kleindstadt, das nun gefeiert im Rampenlicht steht, als ihr Geschöpf, das Ergebnis ihrer rastlosen Energie. Als Bess jedoch plötzlich ihren Lebensinhalt gefährdet sieht, schlägt ihre Hingabe in Hass um..“ steht in meiner „Buchgemeinschaftsausgabe“ die auch ein hübsches Monroe ähnliches Bildchen am Cover hat und im Netz.

Wenn man das Buch liest, erscheint aber alles anders und mir gar nicht so psychologisch auskompniert oder vielleicht verstehe ich etwas anderes darunter und eigentlich kann man diese hundertausend Verwicklungen und Wendungen, die da auf den hundertneunzig Seiten passieren, auf einen  kurzen Plot zusammenfassen, der aber rückwärts aufgerollt wird und wieder sind auch einige sehr schöne realistische Schilderungen, enthalten, die das Nachkriegsamerika das wohl die Vicki Baum erlebte, gut vorstellbar machen lassen.

Bess Poker, auch Poky oder Pokerface genannt, die enorm tüchtige, intelligente, aber, wie sie selber meint, sehr häßliche, erschießt den Star, weil dieser einen ganz einfachen dummen Mann heiraten und nie wieder singen will.

So denkt sie jedenfalls, als sie die Polizei anruft, die verhört sie und Elisabeth Poker beginnt zu erzählen. Sie hat Mary Lynn vor zehn Jahren in der Pension ihrer Mutter in Brooklyn kennengelernt. Da wurde sie der Wirtschaftskrise wegen gerade entlassen, sie war irgendwo Stenotypistin, obwohl sie solange studierte, als das Geld ihres Vaters reichte und schreibt einen Bewerbungsbrief, der an die der Irmi Fuchs herankommt, der  die prekären Verhältnisse, des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts schildert.

Sie wird unterbrochen, Luke Jordan, der als Hausmeister in der Pension tätig ist, dafür kann er im Keller schlafen, sein Essen verdient er sich durchs Klavierspielen bei einer Gesangslehrerin, die auch die Stimmen verdirbt. Er ist nämlich Schlagerkomponist und immer fröhlich. Er lenkt Bess ab, will mit ihr ins Kino gehen, wenn sie, die Tüchtige ihm das Geld dafür borgt, wird aber von Mary Lynn, dem wunderschönen Mädchen vom Land unterbrochen, das in der Pension wohnt, der Mutter aber schon lang die Miete schuldig bleibt, weil es mit dem Vorsingen in den Reuven nicht so klappt.

Luke sagt mit Marys Schönheit und Bess Verstand kann man etwas machen und die Idee des Geschöpfs beginnt, denn die Mutter stirbt, Bess erbt etwas, zieht mit Mary nach Paris, läßt sie dort singen und französisch lernen.

Das alles erzählt sie dem Polizeiinspektor, inzwischen stellt sich heraus Marylynn ist gar nicht tot, nur angeschoßen und es tauchen jetzt eine Reihe von einflußreichen Männern im Krankenhaus auf, der Zeitungszar mit dem Mary mal verlobt war, der ist es auch der den Herzspezialisten herankarrt, der operiert, Luke Jordan, der geschiedene Ehemann und auch sehr aktuell, ein Präsädientschaftskanditat und Anwalt, mit dem sie am Abend vor der Tat aus war.

Die drei streiten sich nun, wer die Unterschrift zur Operation abgeben darf, da taucht plötzlich der Typ vom Land auf und sagt er ist der Ehemann.

Es geht aber mit der Lebensgeschichte weiter, der Polizist glaubt Bess nicht so recht, daß sie die Täterin ist, sie sagt auch was von Selbstmord. Er verdächtigt Luke, so daß die starke Frau zusammenbricht, ihrer Wächterin erzählt, wie sie Marylynn, die sie als Französin in ein Kabarett einschmuggeln wollte, das ist es das „wehrlose Geschöpf“, das den Spuk beendet und sagt, ich komme aus einer kalifornischen Kleinstadt und singe die Schlager von Luke, einmal vor einem Brandt mit dem Einsatz ihrer eigenen Haut rettete und will dann plötzlich doch einen Verteidiger.

Wir gehen zurück ins Krankenhaus, das wacht Marylynn langsam auf, beziehungssweise sieht sie sich noch nach dem Brandt im Koma und auch die Geschichte, wie das Geschöpf an den reichen Zeitungszar vermittelt werden soll, wird erzählt.

Bess denkt sich eine falsche Lebensgeschichte aus und flötet sie der neunzigjährigen schwerhörigen Mutter des Tycons ins Ohr, aber Marys entlarvt wieder und stellt sich plötzlich als Pflanzenexperitin heraus, so daß sie das Herz der alten Frau gewinnt. Sie löst aber die Verlobung und heiratet Luke, wahrscheinlich auch von Bess arangiert, die aber Luke liebt, wie der Präsidentschaftskanditat, der der Verteidugung, herausfindet.

Der Überclou bekannt aus der „Doris Hart“ ist dann Marylynns Aussagen, nein Bess hat nicht gewußt, daß der Revolver geladen war, sie hat auch nicht auf Marylynn geschoßen, es war alles ein Irrtum.

So wird Bess entlassen, Marylynn, die sich plötzlich als superstarke Konstiution entpuppt, ist noch mit ihrem echten Ehemann im Krankenhaus, Bess geht nach Haus, will sich umbringen. Da kommt plötzlich Luke herein und sagt „Ich kann dich doch nicht allein lassen, Pokergesicht!“

Er sagt ihr auch, daß sie schön ist und sie hat schon wieder Pläne aus einem Revuemädel, das nächste Geschöpf für Lukes Operette, an der er gerade arbeitet zu machen….

So endet das Buch ich habe wieder eine interessante Facette aus Vicki Baums Schreibennähkästchen kennengelernt. Denn auch sie arbeitete offenbar auf Vorrat, wiederholte sich und verwendete die selben Schemen öfter, kann bei einer Vielschreiberin wahrscheinlich auch nicht anders sein. Bei der Courths Mahler gibt es auch solche Wiederhohungen und bei meinen „Krimis“ werden die Leute ja auch öfter von Ästen erschlagen.

Plagiat kann man das bei sich selbst bedienen wahrscheinlich nicht nennen, obwohl die Leser manchmal darüber schimpfen.

Eine Satire auf den Broadwaybetrieb ist das Buch wohl auch undnochmals interessant, bei „lovelybook“ ist eine „Rezension“ zu finden, die ohne Anführungszeichen ziemlich genau mit der Beschreibung aus dem Buch beginnt und eine hat daraufhin kommentiert, „Großartige Rezi, vor allem der erste Satz!“, was wohl auch wenig satirisch ist und viel mehr gab es bisher über das Buch im Netz nicht zu finden

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