Literaturgefluester

2022-03-06

Die Idee ist schon da

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 00:48
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Ich habe es ja gewußt oder doch nicht wirklich, könnte aber trotz der Diskussionen mit dem Uli auf mich vertrauen, daß ich nicht aufgeben werde und seit circa zwanzig Jahren schließt sich bei mir auch eine Idee zeitnah an die andere an.

Das war nicht immer so.Ich kann mich erinnern, das war wahrscheinlich in den später Siebziger- frühen Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, bei der Vali gleich neben dem Grinziger Friedhof wahrscheinlich mit der Bruni und der Elfriede Haslehner gesessen bin und die hat gesagt, daß ihr eine Idee nach der anderen kommt und sie sich nur durch ihren berühmten Mann, den Dichter Wilhelm Szabo, der damals noch gelebt hat, behindert fühlte.

„Wow!“, habe ich gedacht.

„Bei mir ist das nicht so! Ich quäle mich mit meiner Hemmung ab, denke, ich kann oder darf es nicht!“ und irgendwann war das vorbei. Habe ich jetzt ja schon sechsundfünfzig selbstgemachte Bücher, drei davon sind noch nicht erschienen, die „Hirarchien“ aus der „Edition Wortbrücke“ und dann noch zwei Sach- oder Fachbücher übers Stottern und schreibe wirklich, wie am Fließband.

Daß mir das Feedback fehlt, habe ich schon gejammert und es stimmt auch, daß ich mir denke, da schreibe ich schon an die fünfzig Jahre und niemand nimmts wahr, glaube aber nicht, daß mein Schreiben das schlechteste von der Welt wäre, das wäre zuviel Ehre, denn da wäre ich ja im negativen Sinn berühmt! Nein, es wird schon durchschnittlich sein und ist wahrscheinlich sowohl sprachlich als stilistisch nicht so gut, daß es die Kritiker hintern Ofen hervorlockt und die anderen, die nicht lesen, interessieren sich auch nicht dafür.

Aber für mich ist es wichtig, obwohl ich mir in letzter Zeit denke, ich muß ja nicht schreiben, brauche niemanden etwas beweisen, mache es, wie mir schon Rudolf B, der Pastor aus Hamburg, der später nach Frankfurt zog, in den später Siebzigerjahren riet, für mich selber!

Damals habe ich nicht geglaubt, daß ich das bis in alle Ewigkeit so muß, aber macht ja nichts, ich mache meine Bücher seit 2000 selber, vorher habe ich die Manuskripte an die Verlage geschickt und zurückbekommen oder nicht und seit 2008 blogge ich darüber.

Als mir der Alfred „Die Wiener Verhältnisse“ zum Geburtstag schenkte, habe ich gedacht „Wow, so schnell so schön, so billig, ab jetzt wird jedes meiner Bücher erscheinen und so ist es auch.

Das Bloggen ist mein Tor zur Welt und dann bin ich dreimal in der Woche in die „Alte Schmiede“ und ins Literaturhaus gegangen, habe viel gelesen und zuletzt schon darüber gelitten, wie ich da übersehen wurde. Aber hin und wieder ist jemand, den ich gar nicht kannte auf mich zugekommen und hat gesagt „Du hast einen schönen Blog!“

Corona, hat das verändert, obwohl am fünften außer in Wien ja die Regeln fielen und man da ab April wieder maskenlos in die Schmiede gehen könnte. Aber gut, Corona hat viel verändert und mir das Loslassen erleichtert, auf der einen Seite. Auf der anderen wieder nicht, denn soviele Bücher über Corona, wie ich, hat wohl niemand geschrieben. Damit bin ich auch nicht aufgefallen, was vielleicht auch gut ist, denn dann nennt mich niemand „Schwurblerin“ und schmeißt mich irgendwo hinaus.

Obwohl auch das ist geschehen, habe ich die zweite Szene aus den „Hundert Seiten“ ja nicht auf dem Volksstimmefest lesen dürfen, aber das hat wahrscheinlich andere Gründe, als daß man kein männerhassender Feminist sein darf und der Richard ist das auch gar nicht, sondern hat unter seiner feministischen Mutter sehr gelitten, die ja ihre Karriere und den Feiminsmus aufbauen mußte und daher nur sehr wenig Zeit hatte, sich um ihn zu kümmern. Ich kenne einige Männer, denen das passiert ist und die zu ihren Müttern „Warum sind wir nicht eine normale Familie?“ sagten, aber gut „Die hundert Seiten“ sind erschienen und an die „Alte Schmiede“ geschickt. Die „Textvorstellungen“ , wo ich ja zuletzt mein „Literaturgeflüsterbuch I“ vorstellen konnte, gibt es nicht mehr. Aber vielleicht passen meine Corona- Bücher in die Politisch schreiben-Reihe, und wenn nicht ist das auch egal, denn es gibt ja meinen Blog und da stelle ich meine Bücher vor, auch wenn sich außer dem Uli niemand für mich interessiert und der kommt hat er mir mal geschrieben, zum Gruseln her.

So fürchterlich ist das nicht, denke ich, genausowenig, wie der Peter Handke eine langweilige Schlaftablette ist, um mich wieder mal mit einem Nobelpreisträger zu vergleichen.

Also seit zwanzig, dreißig, vierzig Jahren geschrieben und geschrieben und unlängst den siebenten Corona-Text, die Literaturgeflüstertexte, ausgelassen, dem Alfred übergeben. Das war vor einer guten Woche und dann eigentlich zum ersten Mal kein Thema für ein neues gewußt.

Wui, was mache ich da? Meine Rituale, Fensterputzen, Recherchieren gehen, etcetera, die Fenster in der Krongasse habe ich aber erst im Jänner geputzt und man muß nichts übertreiben. Also, die in Harland, wo ich am letzten Wochenende war und das Recherchieren fällt trotz Freedomday, weil ja in Wien, glaube ich, immer noch 2G gilt auch irgendwie aus. Ich könnte zwar von Würstelstand zu Würstelstand und dann zu den Bücherschränken wandern oder was ich in den letzten Wochen ja bevorzugt tat, auf eine Demo gehen. Oder auch nur ein bißchen trödeln, Zeitlassen, ich muß ja weder mir noch jemanden anderen was beweisen und dann kommen schon die Idee, das weiß ich nach fünfzig Jahre Schreiberfahrung und sie sind auch gekommen.

Ich habe also den Ideenfindeartikel der Jurenka Jurk nochmal gelesen, wo ja steht, daß ich mir Cluster bilden oder jeweils drei Wörter auch einem Buch herausziehen soll und dann habe ich gedacht, schau ich mir noch einmal in Ruhe meine fünfzig Bücher an, denn da ist sicher vieles nur angeschrieben, was man noch näher ausführen könnte und die Idee eine Romanfigur herauszunehmen und sie wieder zum Protagonisten oder Protagonistin machen ist mir auch schon gekommen.

Dann habe ich am Wochenende in Harland in der ehemaligen Telefonzelle beim Amtshaus ein paar Bände aus der „Nobelpreisträger-Reihe“ entdeckt, habe mir die Gedichte der Nelly Sachs genommen, den Alexander Solschenizyn wieder zurückgetragen, weil ich den „Archipel Gulag“ schon genauso, wie die „Früchte des Zorns“ oder die „Atmostation“ und „Wem die Stunde schlägt“ schon hatte.

Aber in einem der Bücher habe ich ein paar Fotos gefunden auf denen ein blonder Bub, einmal mit einer Schultüte, einmal im Kreise seiner Familie, dann noch ein Wohnwagen abgebildet war. Und das ist ja auch eine Idee aus dem Ideenfindungsartikel.

Aus den Fotos eine Geschichte machen. Aber eine Familiengeschichte am Land aus dem Sechziger- oder Siebzigerjahren gibt nicht viel her. Die Frage, wem die „Nobelpreis-Reihe“ gehörte ist aber interessant! Wahrscheinlich einem alten Herrn wie den Bernhard Wilhelm oder dem Professor aus dem „Wilden Rosenwuchs“, wie der nach Harland gekommen ist, ist vielleicht auch interessant, aber nicht das Thema, obwohl ich ja öfter meine Bücher in die Harlander Telefonzellen oder in die von Altmannsdorf hineinlege.

Aber soweit war ich noch nicht. Denn da gabs ja die Idee meine Bücher nochmals zu lesen oder mir da ein paar Potagonistin herauszupicken und da gibt es ja schon die Fritzi Jelinek aus der „Absturzgefahr“ und der „Pensionsschockdepression“. Die heißt so, weil ihre Mutter eine Deutschprofjessorin sie nach der Frau Mayröcker und der Nobelpreisträgerin von 2004 nannte und die ist Schreibtrainerin und hat eine platonische Beziehung zu dem polnischen Priester Janus Warszinszki und die könnte jetzt ein Manuskript lektorieren. natürlich einen Corona-Roman,, einen vielleicht der den Bogen von der Dystopie von der Vergangenheit zur Gegenwart oder Zukunft spinnt. da gibt es ja das „Frühlingserwachen“, wo der demente Egon an den dritten Weltkrieg oder eine Invasion vom Mars glaubt. Das ist jetzt, zwei Jahre später sogar ein bißchen realistischer geworden und in der „Mathilde im Coronaland“ geht es um ein Ungeimpften- Ghetto, das es wahrscheinlich nicht geben wird, nur einen Schutzlockdown für dieselben und eine 2G- Regel und dann fliegt 2053 eine Dreihbuchautorin von New York nach Wien um über die Pandemie von 2020 zu schreiben.

Darüber läßt sich wohl ein längerer Roman schreiben, als es mir gelungen ist, die ich da ja mit Novellen überbleibe und den hat die Fritzi jetzt zu lektorieren. Der gewinnt dann einen Preis, vielleicht will „Suhrkamp“ ihn verlegen oder „Rauris“ interessiert sich dafür. Aber jetzt kommt das Problem. Wer ist der Autor? Die Fritzi hat ihn lektoriert, hat aber nur ein Bild von einem blonden Jungen, eine Postffachadresse und den Autor, der sich Hans Haller nennt, nie gesehen.

Jetzt muß sie nach ihm suchen und am Ende stellt sich vielleicht heraus, das Buch ist von einer Sprachkunststudentin geschrieben, die Emma Baldinger heißt.

Spannnend oder nicht? Der Uli wird es wahrscheinlich nicht so finden und mir müßte noch das Kunststück gelingen, eine Nanowrimolänge hinzubekommen. Mal sehen, Recherchieren könnte ich vorher noch ein bißchen und habe da an den Freitag gedacht, aber dann habe ich in der Nacht vom Donnerstag immer wieder das Licht aufgedreht und mir ein Konept, wie in der „Absturzgefahr“ ausgedacht, also den Roman zwischen der Rahmenhandlung mit der Fritzi einplanen und dann ist ein „Verschwörungsromankonzept in fünfzehn Episoden“ daraus geworden, das mit einem verwirrten Egon beginnt, der durch die Josefstädterstraße läuft, vom Maskenpolizisten Max aufgeklärt wird, was geschehen ist, dazwischen kommen dann die LenaTexte, die der Mathilde und des „Meister Hoppels“ , bis der Egon wieder durch die Straßen läuft und sich Jodtabletten kaufen will, weil alle um ihm herum vom dritten Weltkrieg und einem Atomangriff reden und dann kommt noch dreißig Jahre später die Joana Bernard nach Wien, um ein Drehbuch zu schreiben und am Heldenplatz Walzer zu tanzen.

Das sind fast alle Texte, die es entweder in den Büchern oder im Blog schon gibt und dann brauche ich noch die Rahmenhandlung darum herum. Am besten auch vierzehn oder fünfzehn Szenen, die erste habe ich schon geschrieben, dann kommt, die Thekla Morgenstern, Fitzis Nachbarin aus der „Pensionsschockdepression“, bringt ein Stück Kuchen, sieht das Foto von dem blonden Buben mit der Schultüte und erzählt, daß sie ähnliche Fotos in alten „Nobelpreisträger-Ausgaben“ im offenen Bücherschrank gefunden hat. Dann geht sie mit der Fritzi in die Bibliotherapie-Gruppe in die St. Ulrichskirche, wo Fritzi den „Uhrenroman“ vorstellt. Fritzis Mutter, die ehemalige Deutschlehrerin, die jetzt mit ihren Freundin Erika in einer Senioren-WG wohnt, ist auch da und erzählt, wie schilmm die Pandemie auch in einer alternativen Pflegeeinrichtung war, denn die ist jetzt offenbar vorbei und Fritzi trifft beim Bücherschrank eine junge Frau mit einem Trolley voller Bücher, wo sich auch ein paar der „Nobelpreisträger-Anthologie“ befinden, die sagt, daß sie die Wohnung ihres verstorbenen Großonkel ausräumt.

„Hieß der vielleicht Hans Haller?“, fragt Fritzi hoffnungsvoll, um vielleicht eine Spur zu haben.

„Nein, Bernhard Wilhelm! Alois Haller ist der Lebensgefährte meiner Mutter, die mit mir die Wohning ausräumt und der war ein Patenkind des Onkels, einen Hans kennen wir nicht!“, antwortet die und das ist jetzt das, was ich schon habe.

„Wui!“, werden meine Kritiker jetzt schreien.

„In zwei Tagen einen ganzen Roman skizziert, der wahrscheinlich wieder eine Novelle wird, darf das sein?“

Und jetzt heißt es schreiben, schreiben, ich bin gespannt und das „Seitengewitter“ ist auch schon an die Druckerei gegangen.

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