Literaturgefluester

2019-08-27

Die Zeit und wir beim 48 Tandler

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:25
Tags: ,

Die 1940 in Wien geborene Christl Greller, die in einer Werbeagentur gearbeitet hat und seit1995 literarisch tätig ist, hier schon einige Prosa- und Lyrikbände herausgegeben hat und auch GAV-Mitglied ist, veranstaltet ihre „Die Zeit und wir-Reihe“, glaube ich, nun schon zum elften Mal.

Dazu sucht sie immer ungewöhnliche Orte aus, so hat sie mich einmal in die Klimt-Villa dazu eingeladen, einmal war sie in einer Kirche, ich glaube auch am Zentralfriedhof und  jetzt eben in einem Altwarenladen, denn wo kann man, wie in der Einladung stand, die Vergänglichkeit der Zeit besser erleben, als an alten Schuhen, alten Möbeln, alten Büchern? An den letzeren wahrscheinlich nicht so sehr, aber in der Siebenbrunnenfeldgasse gibt es seit einiger Zeit, den „48-Tandler“, wo man schöne Waren aus der Müllabfuhr günstig erweben kann.

Die Ruth hat, glaube ich, da einige Stücke für ihre neue Wohnung bezogen und ich war obwohl ich ja schon seit den Neunzigerjahen im fünften Bezirk arbeite und wohne, noch nie in diesem Laden und mußte auch jetzt erst im Stadtplan nachsehen, um hinzufinden.

Um sechs fing die Veranstaltung mit Rudolf Kraus und Wolfgang Kauer als Gäate an. Ab fünf konnte man schon hinkommen und sich umsehen, wie in der Einladung stand und da ich, um zwei meine letzte Stunde hatte, bin ich auch nach vier aufgebrochen und bin da ziemlich bald bei den Büchern gelandet, obwohl auch alles andere, die Spielsachen, die Kleidung, etcetera sehr liebevoll und, wie ich glaube mit dekoratorischer Hilfe aufgebaut war und die Bücher waren, wie ich mit Erstaunen feststellte zum Teil noch neu und originalverpackt und da die Hardcover zwei Euro kosteten, konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und habe fünf Stück eingepackt, obwohl heute auch fünf oder waren es sogar sechs, nämlich die Irmi Fuchs doppelt, die ich an die Doris Kloimstein weiterreichen werde, zu mir gekommen sind. Das Postfach war übervoll, als wir von Harland nach Wien gekommen sind, „Ein neuer Rekord!“, sagte der Alfred und die Ruth zu mir, als sie beim Tandler eintraf: „Wo findet man dich, wenn nicht bei den Büchern?“ und in dem Veranstaltungssaal, der etwas später eröffnet wurde und auch guten Publikumshzulauf hatte, es gab Getränke und Brötchen, Soletti und Chips, später Wein, gab es auch einen Büchertisch, aber da habe ich nicht so zugeschlagen, wie bei den gutsortierten Bücherregalen und der 1961 in Wiener Neustadt geborene Rudolf Kraus, der in der Hauptbücherei als Bibliothekar tätig ist, begann auch mit Ausschnitten aus einer Familiengeschichte und fügte dann ein paar Gedichte über die Zeit an. Auf der Bühne waren dekorativ alten Uhren aufgebaut und eine musikalische Begleitung gab es auch.

Der 1957 in Linz geborene Wolfgang Kauer mit dem ich schon in Salzburg gelesen habe, folgte mit drei ausschnitten aus seine neuen Buch über die Felsmalereien in den Alpen, sein neues Hobby oder Leidenschaft.

Dann folgte Christl Greller mit ihrem Gedichtband „und fließt die zeit wie wasser wie wort“, den ich schon gelesen habe und besprechen durfte.

Nachher gab es, wie schon erwähnt, Wein, Brötchen und Gespräche und es war eine schöne Veranstaltung in einem schönen Ambienten mit vielen zum teil sehr neuen Büchern und alten Sachen die die Vergänglichkeit der <zeit zeigen.

Ein Ort, den ich vor allem wegen seiner originellen Dekorierung und Gestaltung sehr empfehlen kann.

2013-06-08

Die Zeit und wir

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:14
Christl Greller

Christl Greller

20130608-191029

Das ist eine Lesereihe, die Christl Greller im Rahmen der GAV veranstaltet und diesmal hat sie mich mit Gerhard Jaschke, Manfred Ach und Erika Kronabitter eingeladen, mitzulesen.
„Die Zeit und wir“, da fällt einer natürlich der „Rosenkavalier“ und die Marschallin ein und das passt ganz vortrefflich zu dem Ort, den Christl Greller für die Lesung wählte. Sie wollte nämlich die sogenannte Klimt-Villa, die seit einigen Jahren reneoviuert und öffentlicht zugängig ist, dafür haben und das ist für die Grazer Autorenversammlung vielleicht ein ungewöhnlicher und neuer Leseort, die Lesung war aber trotzdem sehr schön und sehr gut besucht.
Hundert Leute faßt der Raum, der über dem ehemaligen Atelier von Gustav Klimt liegt und die sind, glaube ich, in etwa auch gekommen. Ich schaffe das ja nicht, wenn ich jemanden zu einer Lesung einlade, bedeutet das eher das Gegenteil, aber Christl Greller hat einen großen Verteiler und das hat sie mir auch gesagt, als sie sich einmal bei mir für die „Mittleren II“ angemeldet hat.

Das war die Zeit, wo mich das Literaturhaus hinausgeschmissen hat und die „Mittleren II“, dann unter Erika Kronabitters freundlicher Vermittlung in einem ähnlich feudalen Rahmen in Vorarlberg stattgefunden haben.

20130608-191411

20130608-201104

Christl Greller hat bei den „Mittleren III“ im Amerlinghaus gelesen und ich habe sie, glaube ich, im Rahmen der Gewerkschaft einmal kennengelernt. Hat sie doch bei einer Werbeagentur gearbeitet und ist dann in Pension gegangen, hat zu schreiben angefangen und in die GAV ist sie auch einmal gekommen.

Als ich, glaube ich, 2002 mit Uwe Bolius vor fast keinen Leuten in der „Alten Schmiede Werkstatt“ um siebzehn Uhr in den Energieferien gelesen habe, ist sie im Publikum gewesen.

Eva Jancak

Eva Jancak

Manfred Ach

Manfred Ach

Dann hat sie mit ihrer „Zeitreihe“ begonnen, beim ersten Mal hat es nicht geklappt, aber jetzt hat sie mich eingeladen und Christl Greller hat auf den feudalen Ort, der sogenannte Klimt-Villa in Hietzing bestanden, wo Gustav Klimt, der große Maler des Jugendstils und des Fin de siècle sein letztes Atelier gehabt hat.
Das war damals ein Gartenhäuschen, 1918 ist der Meister gestorben, die sogenannte Villa wurde erst später erbaut und wäre dann fast verfallen, bevor sie die Stadt Wien renovierte und einem Verein übergeben hat.

So fand im ersten Stock die Lesung statt und vorher gab es Führungen durch das Atelier. Sehr interessant in den nachgebauten Räumen herumzugehen und zu hören, daß vor allem die Japaner von dem großen Meister sehr begeistert sind. Die Amerikaner sind das, glaube ich, auch und ich war sehr begeistert vor einem vollen Haus zu lesen. Passiert mir das ja leider nicht sehr oft und ich habe außer Christel Fallenstein, Ruth Aspöck und Anton Blitzstein auch nicht sehr viele Leute gekannt und habe als erste gelesen.

„Die Zeit und wir“ lautete das Thema, als ich mich bei Christl Greller angemeldet habe, habe ich wahrscheinlich an ein anderes Buch gedacht.

Gerhard Jaschke

Gerhard Jaschke

Erika Kronabitter

Erika Kronabitter

Diesmal dachte ich an „Zum Sterben sollte man zu Hause sein“ und das hat einen doppelten Zeitbezug. Erst einmal ist es ja als „Nanowrimo“ vom 1. bis 30. November entstanden und zweitens geht es um das Sterben bzw. um das Vermeiden desselben in einer sogenannten „Anti-Aging Senioren Residenz“ und ich habe aus den Fahnen, dem sogenannten Dummie gelesen, habe am Mittwoch doch immer noch Fehler gefunden und Donnerstag und Freitag war das „Archiv-Symposium“ im Literaturhaus und die Zusteller schmeißen die Sendungen neuerdings ja irgendwo hin und da ich nach den Büchern nicht suchen wollte, war ich froh, daß sie erst am Montag ausgeliefert werden.

Macht ja nichts, habe ich ja noch viele andere Bücher für den Büchertisch und verkaufe meistens ohnehin nicht sehr viel. Ich habe jedenfalls die erste Szene gelesen, zwölf Minuten war mein Zeitlimit, das ich ein bißchen überzogen habe. Dann kam der GAV-Kollege Manfred Ach, der mir bisher unbekannt gewesen ist und las Aphorismen zum Thema Zeit. Gerhard Jaschke folgte mit einem Text zum Thema „Vierzig“, den ich, glaube ich, schon einmal gehört habe und Erika Kronabitter, die liebe Kollegin aus Vorarlberg hatte Gedichte aus zwei Gedichtbänden, die bei der Edition Art Science erschienen sind, deren Lyrikreihe sie seit einiger Zeit betreut.

Ruth Aspöck

Ruth Aspöck

Christel Fallenstein

Christel Fallenstein

Eines ging um den Tod einer Mutter und zählt auf, was sie alles nicht mehr machen kann, nie mehr ins Badezimmer gehen, nie mehr bügeln, etc.
Christl Greller brachte einen Romanausschnitt und las die Stellen mit Zeitbezug vor. Da gibt es ein älteres Ehepaar und der Mann bekommt plötzlich eine jüngere Vorgesetzte, was ihn in eine große Krise stürzt.

Nachher sind wir noch lange auf der Terrasse gestanden und haben Sekt getrunken. Anton Blitzstein, der jetzt auch bei der GAV um Aufnahme ansuchen wird, war da, und ich erhielt ein bißchen positives Feedback, habe ein Buch verkauft und bin mit dem Alfred dann noch einige Zeit bei einem Heurigen gesessen, den es auch in der Feldmühlgasse gibt.
Es war eine wirklich schöne Lesung und wenn ich will kann ich Erika Kronabitter bald wieder begegnen, da sie am Montag bei den „Wilden Worten liest, Da gibt es allerdings auch eine „Gedichtkonferenz in der Alten Schmiede“ und da würde Stephan Eibel-Erzberg lesen. Aber sein „Licht aus“ habe ich schon gehört und auch sein Buch gelesen.

2019-09-13

Es wird Zeit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
Tags: , , , ,

Bevor es doch an das Buchpreislesen geht, da sind schon alle Bücher da, aber bisher erst ein Einziges gelesen, jetzt noch ein Frauenroman von Ildiko von Kürthy.

Ich habe, die ich ja manchmal auch Chicklits und Krimis lesen von der 1968 Geborenen schon einige Bücher gelesen und sie haben mir, glaube ich, nicht so besonders gefallen. Hier ist es anders, aber auch ein bißchen ambivalent.

Geht es doch, um die Bewältigung einer Midlifekrise einer Frau, um die Fünfzig mit drei Söhnen, einen Zahnarzt, als Gatten mit einer Ehe, wo nicht mehr viel läuft, in einem Vorort von Hamburg, wo sie all das macht, was die Mittelschichtfrauen halt so machen, die Kinder zur Schule bringen, dort im Elternverein oder sonstwo helfen, halbtagstätig ist, kocht, putzt, bügelt, mit der Putzfrau verhandeltund mit ständig schlechten Gewissen wegen des Übergewichts doch noch ein bißchen Nutella aus dem Glas nascht.

Das ist Judith Rogge und deren Mutter ist gestorben und nun muß sie zur Beerdigung der Urne und zum Verkauf des elterlichen Hauses in das Dorf, wo sie aufgewachsen ist und das ist keine gute Idee, hat sie dort doch ein großes Geheimnis, das sie die letzten zwanzig Jahre sehr belastet hat.

Das wird nun nach und nach und manchmal durchaus sehr langatmig und so geschrieben, als käme es aus einem Ratgeberbuch aufgeklärt, manche Szenen sind wieder sehr lustig und am Schluß ist alles gut und die Mittelschichtfrau geht glücklich in ihr neues Leben hinein?

Doch nicht so ganz, denn vor zwanzig Jahren, hatte Judith eine beste Freundin und die hatte einen Freund mit dem sie in die Anwaltskanzlei ihres Vater einsteigen wollte, aber der macht zuerst noch eine Reise, kommt von dort nicht mehr zurück und Judith plagt das schlechte Gewissen, hat sie sich doch in Michael verliebt und ist nun schwanger.

Kopflos verläßt sie die Freundin und das elterliche Haus, zieht nach Hamburg, heiratet Joachim, bekommt drei Söhne und nun steht sie am Friedhof des elterlichen Dorfes, um das künftige Grab ihrer Mutter zu besichtigen und fällt dort fast hinein, als Anne sie entdeckt.

So was hatten wir schon ein oder zweimal in der Literatur und es geht auch gleich weiter, denn der der dasHaus kaufen will, ist eine andere Jugendliebe, ich glaube, der, der sie mit Vierzehn oder Fünzehn entjungfert hat und auch ihr Meerschweinchen ermordete, also ein Arsch.

Das ist er noch immer, verheiratet und das Haus will er auch zu Spekulationszwecken, aber Judith verliebt sich in ihm und hält nun während es zu verunglückten Treffen kommt und die Urne doch nicht so schnell, wie gedacht beerdigt werden kann, schier endlose Mologe über das glücklose Leben einer Mittelschichtfrau und dem fluch des Älterwerdens.

Dabei ist das Leben der anderen noch viel schlimmer. Anne hat nämlich Krebs im letzen Stadium. Die Freudinnen versöhnen sich wieder, Judith begleitet sie zu den Behandlungen, beschließt das Haus doch nicht zu verkaufen, sondern mit ihren Freunden in einer Art Altershippiekommune glücklich zusammen zu leben.

Sie erfährt, daß Michael nicht gestorben, sondern nur ausgestiegen und das Kind auch nicht von ihm ist, trennt sich glücklich von ihrem Joachim, der sich mit einer Seljacht statt mit einer Frau fortan vergnügen will und alles wird gut, bis, daß Anne doch stirbt und das den anderen irgendwann auch nicht erspart bleiben wird.

Ein vergnüglicher Roman über die Midlifekrise könnte man so sagen und ich denke, daß er wahrscheinlich hauptsächlich von Frauem, um die fünfzig oder noch älter, wie ich beispielsweise, gelesen werden wird und frage mich, wie das Buch auf sie wirkt?

Ich habe mich ja schon in meiner Jugend mit der Mildlifekrise beschäftigt und als ich noch nicht viel davon verstanden habe, eine Dissertation darüber geschrieben und als ich am vorigen Donnerstag das Buch gerade angefangen hatte, und zum Salten-Symposium ins Rathaus ging, meine Straßergassenfreundin auf der Straße getroffen, die mir von ihrem Krebs und der sechsten Chemotherapie erzählte, die sie erwartete.

So wird es wahrscheinlich auch den anderen Frauen gehen, das Übergewicht ist da, die Ehe im Heimer und das Buch gibt manchmal sehr lustig, beispielsweise die Stelle, wo der achtzehnjährige Sohn mehrmals anruft, weil er nicht weiß, wie man eine Waschmaschine betätigen muß, sich die Mutter gerade in einem Schweigekloster befindet, manchmal sehr langatmig gute Ratschläge, wie man das Leben bewältigen kann, die wahrscheinlich auch mehr oder weniger gut wirken werden.

So bin ich gespannt, wie das Buch von den Lesern aufgenommen wird  und kann auch noch spoilern, daß sich Ildiko von Kürthy derzeit auf Lesereise befindet, war doch dem Buch ein Flyer beigelegt, auf dem man die genauen Termine von September 2019 bis Juni 2020 finden kann.

2020-02-15

Wir verlassenen Kinder

Jetzt kommt  das zweite „Kremayr&Scheriau-Buch“ aus der Frühjahrsschiene, ein Debut der 1990 in OÖ geborenen Lucia Leidenfrost, das wieder keines ist, habe ich doch schon ihren vor zwei Jahren erschienenen Erzählband „Mir ist die Zunge so schwer“ gelesen und ich muß sagen, es ist ein sehr interessantes Buch, das ein  wichtiges und wohl auch verdrängtes Thema unserer Zeit auf sehr poetische Art und Weise, wenn auch mit einigen Widersprüchen und Kurven zu schildern weiß.

Soll es doch in Moldawien oder sonstwo ganze Dörfer geben, wo die Kinder mit vielleicht ein oder zwei Großmüttern verlassen leben, weil die Eltern im goldenen Westen die Ärsche der dortigen alten Leute putzen, weil das dort niemand mehr kann oder will.

Lucia Leidenfrost schildert das alles dezenter und auch namenloser, es wird kein Ländernamen genannt und die Kinder dort heißen zwar Mila und juri aber auch Anni und ein Erwachsener Valentin und mal gibt es Krieg im Nachbardorf, mal ziehen Blechvögel über den Himmel und nur ein einziges Mal wird eine Lidia erwähnt, die eben im goldenen Westen die Ärsche putzt und Briefe an ihre verlassenen Kinder schreibt.

Die bekommen zuerst noch Geld und Geschenke, Stützstrümpfe für eine Oma, die längst  gestorben ist und auch der Lehrer hat das Dorf schon verlassen. Es gibt zuerst noch einen Pfarrer der zu alle heiligen Zeiten kommt und einen Bürgermeister, der im Rathaus sitzt und die Kinder manchmal mit ihren Eltern telefonieren läßt.

Der ist der Vater von Mila und ihren zwei Schwestern, die jüngste ist ein Baby und die Mutter ist bei der Geburt gestorben, Mila versorgt nun die Schwestern, ist die Außenseiterin im Dorf, wird von den anderen Kindern, die ihre eigenen Regeln erstellen, gemobbt und gequält.

Sie stieht aber den Vater auch den Schlüßel zur Schule, will Lehrerin werden und weil  kein neuer Lehrer komt, selber die kleineren Kinder unterrichten.

Die Scheifen von denen ich oben geschrieben habe, bestehen darin, daß die Eltern beispielsweise schreiben, sie wären schon in der Nachbarstadt und würden bald kommen, als die Kinder aber dorthinziehen, um das Geld von der Bank zu holen, sind sie nicht da.

Später kommt auch kein Geld mehr und keine Geschenke und die paar Alten und auch der Bürgermeister verlassen das Dorf, um in einen Krieg zu ziehen. Der Bürgermeister kommt aber in den Nächten zurück und bringt Fleisch und Käse mit, das Mila ihm brät, während die anderen Kindern kein Wasser, keinen Strom und kein Essen mehr haben.

So werden zwei Beschlüße gefaßt, Mila putzt die schule und beschließt ab der nächsten Woche die Kleineren zu unterrichten, während die anderen Kinder sie in der Hoffnung, daß dann endlich Hilfe kommt, sie anzünden und gemeinsam velassen sie dann das Dort, um sich ihre eigene Welt zu bauen oder so etwas wie Geborgenheit woanders zu finden?

Einer der berührendsten Sätze im Buch lautet „Einmal werden wir mit der geladenen Pistole zu unseren Eltern fahren und sie zurückholen“ und der Automechaniker, von dem sie die Pistole haben, wundert sich in einem Brief über die Gewalttätigkeit der Kinder und schreibt „Man hätte die Kinder auch mitnehmen können.“

Ein berührendes Buch das nachdenken läßt, aber auch sehr poetisch ist, so daß ich mir schon überlegen, ob es auf die shortlist des Bloggerdebut oder auf eine der anderen Buchpreislisten kommt und das Lesen sehr empfehlen kann.

2020-01-10

Mondgezeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
Tags: , , ,

Den 1958 in Wels geborenen und in Ried im Innkreis als Bibliothekar, Schriftsteller und politischer Aktivist lebendern Dietmar Füssel kenne ich schon lang. Kennengelernt habe ich ihn, glaube ich, 1987 als ich in Linz bei diesem „Max von der Grün-Preis“, den er, nicht ich, gewonnen hat, zu einer Art Schreibwerkstatt eingeladen wurde und dann als ich bloggte bin ich auf seine Website mit den monatlichen Gewinnspielen seiner Bücher bekommen, habe mich, wie es meiner Art entspricht, eifrig beteiligt und einiges gewonnen, so daß ich nicht alle, aber viele seiner zahlreichen Bücher gelesen habe und mich wenn man so will, als Dietmar Füssel Spezialistin bezeichnen kann.

„Einen schrägen Vogel“!“, hat ihn, glaube ich, einer meiner Leserinnen die mich eine Zeit sehr wohlwollend verfolgte, genannt und das ist er sicher auch in sehr vielfältigen Genres.

Die Satire ist sicher eine davon, Dietmar Füssel, der schräge Typ, der auch immer Videos zur politischen Situation ins Netz stellt. Es gibt Krimis, historische Romane, Kinderbücher, aber auch Lyrik und als er mir im Oktober während der  GAV-GV  seinen neuesten Lyrikband „Mondgezeiten“ in die Hand drückte, habe ich mir auch schränges erwartet und wurde, wie das halt so ist und es sich daher immer wieder lohnt, genau hinzuschauen, überrascht, denn es ist zwar nicht so besonders rhythmisch und musikalisch, sondern wahrscheinlich eher monoton wiederholend, dafür aber besonders eindringlich, was da auf den achtzig Seiten des kleinen Büchleins aus dem „Mitgift-Verlag“,  den ich im Dezember im „Buchquartier“ kennenlernte und auch Dietmar Füssels-Lyrikband bewundern konnte, steht.

Eindringlich und nachdenklich und sehr zu emepfehlen, sich in diese Seite des Füsselschen Schaffens einzulesen. Ich weiß gar nicht, ob es diese Gewinnspiele noch gibt, wenn kann ich aber sehr empfehlen, sich zu beteiligen oder sich das Büchlein anderwertig zu besorgen.

„Während  um uns alles kühler wird, ziehen wir schwermütig westwärts“, heißt es auch gleich melancholisch im ersten Gedicht.

Und „Haus und Seele“ ist scheinbar widersprüchig und regt zum Nachdenken an:

„Die Tür trägt die Inschrift: „Dies ist keine Tür“ Und alle Wände sind Spiegel in denen keine Seele sich spiegelt.“

In diesem Sinne geht es gleich weiter im „Feuer frißt Schatten“:

„Feuer frisst Schatten, Wo viel Schatten, da kein Feuer, Wo viel Feuer da kein Schatten.“

Die Angst vor dem Sterben, das Älterwerden, die Sinnlosigkeit des Lebens, sind  ständige Themen, die immer wieder auftaucht und das Politische wird, wenn auch kurz, auch gestreift:

„Der siebte Staat heißt Österreich und Österreich ist wüstengleich“, wie immer man sich das deuten mag.

„Die Weisheit des Alters“ ist ein Thema und wie schon erwähnt „Die Vergänglichkeit“

„Bemessen ist unsere Zeit: Nur junge, sehr junge Menschen bauen an mehreren Türmen“ oder

„Im Winter meines Lebens“

„Im Winter meines Lebens – denn  auf den Sommer folgt kein Herbst – ist jeder Schritt mit Schmerz verbunden, wie bei der kleinen Meerjungfrau.“

Bei dem „Demenzgedicht“

„Die nutzlosen Alten, gefangen im Ein-Zimmer-Layrinth ihrer Demenz  – Leben in Pflegeheimen gewickelt, gefüttert, bewacht  – Ein Leben ohne Erinnerung ein Leben ohne Leben“ – würde ich ihn widersprechen und meinen, daß ein Leben in der Vergangenheit und ein sich mit dem Damals und den damals Lebenden beschäftigten,  auch sinnvoll sein kann, auch wenn es von außen betrachtet, vielleicht nicht so aussieht und dann würde ich noch gerne wissen, was mit dem „Psychopomp, der den Weg von diesem Seits in Jenes weist“, gemeint ist.

Sehr beeindruckend das Gedicht „Information“

Buchstaben fallen aus Büchern und werden durch Bilder ersethzt.

Bücher fallen von Regalen und werden durch Bildschirme ersetzt.

Bildung fällt bodentief und wird durch Information ersetzt.

Etwas über Ausländer gibt es es natürlich auch:

„Unerwünschte Menschen aus unerwünschten Ländern mit unerwünschten Sitten und unerwünschten Glauben“, das vielleicht der FPÖ sehr zu emfpehlen ist und am Schluß wird es dann doch versöhnlich und wieder hoffnungsvoll:

„Das Leben jedoch ist geduldig. Alles beginnt. Alles begann. Alles wird beginnen.“

In diesem Sinn, auf ins neue Jahr mit hoffentlich viel Lyrik und neuen oder auch alten Lesestoff und ich bin sehr neugierig, was ich von Dietmar Füssels lyrischen oder auch satirischen Schaffen noch alles hören und lesen werde.

2019-06-28

Wir und das Fremde

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:31
Tags: , ,

Vor einigen Tagen habe ich von Judith Gruber-Rizy eine Einladung zu ihrer Lesung aus „Der Mann im Goldrahmen“ in die Galerie Sandpeck in der Florianigasse bekommen, die am Freitag um 19 Uhr stattfand und dahin hätte ich gehen können, da wir eines Sommerfestes, das der Alfred besucht, erst am Samstag nach Harland fahren, aber aus dem „Mann im Goldrahmen“ habe ich Judith Gruber-Rizy schön öfter lesen gehört und da ich nicht gerne zu doppelten Veranstaltungen gehe, habe ich gedacht, was mache ich dann, weil es mich am Abend ja meistens aus dem Haus treibt und ich eigentlich auch einen Blogbeitrag brauchte?

Die   Alternative wäre ein neuerlicher Beitrag über den „Bachmann-Preis“ und ein Jammern darüber, daß ich dazu nicht eingeladen werde und wenn, sicherlich verrissen werden würde, so daß es gut ist, daß…

Aber ich soll ja nicht so viel jammern, weil das die Leser vielleicht nicht hören wollen, ein bißchen in der Stadt herummarschienen wollte ich ja eigentlich auch und so bin ich, als die Lesungen in Klagenfurt beendet waren und ich die Monatsabrechnung gemacht hatte und auch noch Fahrscheine brauchte, um fünf in Richtung Florianigasse  aufgebrochen und war,  als ich die Galerie beim Uhlplatz erreichte,  erstaunt, daß es sich eine von Linda Kreiss zum Thema „Wir und das Fremde -Leben im Ausland“, organisierte GAV-Veranstaltung handelte, bei der außer Judith Gruber-Rizy, noch Dine Petrik und Alaka Chural lassen.

Musikbeiträge von Nadja Offinger und Begleitung gab es auch und ein paar bekannte Stammbesucherinnen habe ich gleich vor oder in der Galerie getroffen.

Linda Kreiss ein neueres GAV-Mitglied, habe ich glaube ich einmal bei einer von Anita C. Schaub organisierten Veranstaltung im Amerlinghaus gehört und sie hat ein paar Bücher über Nepal geschrieben, deshalb wahrscheinlich das Thema, das ja in Zeiten, wie diesen  ein sehr wichtiges ist.

Die Galeristin hat begrüßt, die Sängerin und Gitaristin Nadja Offinger das Einleitungslied gesungen, dann hat Linda Kreiss etwas zu der Veranstaltung erklärt und Dine Petrik vorgestellt, die aus ihren „Stahlrosen zur Nacht“ aus denen ich,glaube ich, schon  einmal bei einer Lesung war, gelesen hat und zwar eine Stelle von einer Tante aus Lemberg, die von dort offenbar ins Burgenland zu der  jungen Dine und ihrer Familie geflüchtet ist.

Judith Gruber-Rizy, ersten in der „Edition Wortreich“ erschienen Roman, die dann folgte, habe ich auch schon zum Teil gekannt, weil ich da ja bei einer Lesung war, da geht eine Frau, die, ich weiß nicht, ob sie Rosa heißt, ein Jahr in ein Häuschen aufs Land, um sich von ihrem Sohn zu trennen und auch jeden Tag ein Foto vom Kirschbaum in ihrem Garten zu machen.

Dann las Linda Kreiss aus ihrem Nepalbuch „Der den Mond trägt“ und stellte anschließend ihre Freundin Alakaa Chural aus dem Nepal vor, die seit elf Jahren mit ihrer Familie in Wien lebt und hier an der Uni tätig ist und die sang begleitet von Nadja Offinger, ein Lied, das sie geschrieben hat, um sich über das Heimweh, das sie nach Nepal hat, hinwegzuhelfen.

Eine interessante Veranstaltung und auch eine interessante Alternaitive zum „Bachmannlesen“ und am Heimweg habe ich auch einige der Bücherschränke gestürmt und dabei ein paar interessante Bücher, zum Beispiel, das Buch zum Film von Wladyslaw Szpilman „Der Pianist“, das ich schon immer lesen wollte.

2019-03-27

Saison der Wirbelstürme

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
Tags: , , , , ,

Jetzt kommt noch ein Debut, allerdings eines der 1982 in Mexiko geborenen Fernanda Melchor, die sich in ihrem Buch mit der Gewalt an Frauen beschäftigt, in Zeiten wie diesen ein sehr wichtiges Thema, wo die Unterdrückung an Frauen sowohl von den muslimischen Kulturen als auch von den Rechten kommt und Mexiko macht mit seinen Frauenmorden auch immer wieder Schlagzeilen.

Im Vorwort steht, daß Teile der Geschichte auf wahren Tatsachen beruht, am Schluß wird einigen Journalisten gedankt und dazwischen zieht es sich in sieben Kapitel hin zwischen dem bekannten lateinamerikanischen magischen Realismus und einer sehr auffälligen brutalen schonungslosen Sprache der Autorin, wo vor sich hin geflucht und geschimpft wird, wie man es literarisch vielleicht noch nicht so gehört hat.

„Die Vergessenen oder Die Medusa von La Matosa“ titelt der „Falter“ seine Kurzrezension und es beginnt am Mord einer „Hexe“, einer alten Frau, die umgeben von Schmutz und Müll in einem heruntergekommenen Haus eine Art esotherische Heilerpraxis betrieb, in der sie sicher auch Abtreibungen vornahm und von deren unsagmbaren Reichtum man munkelt.

Das beschreibt das erste Kapitel in der schon erwähnten deftigen Sprache. Dann geht es zu den verdächtigten Jugendlichen. Jungs um die vierzehn, die die Gewalt, die sie erlebten an ihre Schwestern und Cousinen weitergeben, die sie von ihren Müttern habe, die von ihren Männern längst verlassen wurden oder sich das Leben durch Prostiution erkauften.

die Gegend in der das Ganze spielt ist arm und heruntergekommen. Die Jungs träumen von billigen oder auch teueren Adias-Schuhen oder billigen vermischten Koks. Die Frauen wahrscheinlich von der Liebe, die sie nie bekommen haben und höchstwahrscheinlich auch nicht annehmen können und das Ganze spielt in dem Haus der Hexe, einem heruntergekommenen Krankenhaus, wo man nach der Vergewaltigung oder Abtreibung von der Sozialarbeiterin noch angebunden wird, in der Kirche, der Katholizismus mit seinem Reichtum un den billigen Madonnen die in den Häusern der Armen stehen, spielt in Mexiko ja  eine große Rolle und natürlich auch im Gefängnis.

Daziwschen wird es immer mal ein bißchen magisch durchtränkt und wir bleiben mit offenen Mund vor der Gewalt, der Armut und den Terror, den es auf der Welt noch gibt und  den man hierzulande längst überwunden glaube, nach dem Lesen zurück.

So ist das bei „Wagenbach“ erschienene Buches sehr zu empfehlen und wer die Autorin kennenlernen möchte. Sie kommt am ersten April nach Wien und liest um neunzehn Uhr in der Hauptbücherei am Urban Loritz Platz.

Ein Glas Wein gibt es, glaube ich, nachher auch.

2019-03-15

Nennen wir ihn Rumpelstilzchen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
Tags: ,

Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich noch nicht lesen sollte, denn Doris Kloimstein hat mir ihre „Geschichten vom Literaturstammtisch“, die sie gemeinsam mit Ingrid Schramm und Edwin Baumgartner im „Goldegg-Verlag“ herausgegeben hat, erst am vorigen Samstag am Markt von St. Pölten übergeben und da hatte ich schon eine Anzahl von Büchern auf meiner Leseliste, die ich vorher lesen sollte, aber dann sind wir ja am Sonntag auf die Rudolfshöhe gegangen. Ich bin gestürzt, mit dem Hubschrauber ins LKH St. Pölten geflogen und habe mir vom Alfred, die Bücher dorthin bringen lassen, die ich von der Leseliste in St. Pölten hatte hatte. Eines war ein E-Book, aber das Internet hat auf dem Laptop nicht funktioniert und was tut man in einem Spital? Man döst vor sich hin oder liest. Ein Fernsehtyp bin ich ja nicht, das Internet funktionierte nicht und meinen Laptop kann man nicht mehr schließen, so daß mir der Alfred zwar einen brachte, auf dem ich aber nur das Internet hätte  benützen können.

Also habe ich den „Stotterer“ ausgelesen, den man aber erst am zwanzigsten März besprec hen darf. Das ist der Tag, an dem wir eigentlich nach Leipzig fahren wollten.  Vorher hatte ich ein Veranstaltungsprogramm geplant, jetzt gehe ich zwar in meiner Praxis-Wohnung herum, aber eher nicht aus dem Haus, also habe ich noch eine Woche mit Rezensionen zu füllen und nach dem „Stotterer“ war Livia Klingls „Biedermayern“ und Martin Amanshausers „Es ist unangenehm im Sonnensystem“ zu lesen, was eher schnell ging, also ließ ich mir von der Anna den „Literaturstammtisch“ mitbringen und das war wahrscheinlich auch eine passende Idee, denn Doris Kloimstein ist ja jetzt St. Pöltnerin und eine Frau im Zimmer wohnt im gleichen Ort, wie der <meister Eder, der in dem Buch auch vorkommt, aber es ist keines das sich nur auf die St. Pöltner Literatur bezieht, so groß ist die gar nicht könnte man munken, sondern jeder der drei Autoren hat seinen eigenen Beitrag zur Sache beigesteuert.

Da ist einmal Ingrid Schramm, von der, glaube ich, auch die Idee zu dem Buch kam, die im österreichischen Literaturbetrieb tätig ist und von der ich schon ein Buch gelesen habe und die hat ihre Anekdoten, dem Literaturbetrieb nach 1945 gewidmet, also vom TorbergWeigl Boykott gegen Berthold Brecht und den Streit der beiden damaligen Literaturförderer Weigel und Hakel geschrieben. Sie schreibt von der „berühmtesten Ohrfeige“ Wiens, die die Schauspielerin Käthe Dorsch Hans Weigel einmal gegeben hat, weil er sie zu scharf kritisierte und das namensgebende „Rumpelstilzchen“, behzieht sich auf Thomas Bernhard, so würde ich diesen gar nicht betrachten, aber man kann über ihn und seine Preise und seine Schimpfereien natürlich viel erzählen.

Sie erzählt von Adrienne Thomas Jugendbüchern und ihrem „Kathrin wird Soldat“. Die, die sich auf den zweiten Weltkrieg beziehen, hat sie dabei ausgelassen, aber man kann  in einem zweihundert Seiten Buch, das man sich noch mit zwei Mitautoren teilt, nicht über alles schreiben. Dann gibt es Einblicke in die „Bachmann-Verhinderung“, die sehr interessante Tatsache, die ich nicht wußte, nicht in den PEN aufgenommen wurde. Und dann gibt es vielleicht gar nicht so zum Thema passend eine Geschichte über James Baldwin und sein berühmtes „Ich bin nicht ihr Neger“.

Einen „Jüdischen Antisemiten“ gibt es auch, das ist der Kabaretist Gerhard Bronner und dann vielleicht auch nicht zum Thema passend, aber sehr interessant, ein Kapitel über den Opernführer Marcel Prawy.

„Doch!“, werden die Autoren jetzt wahrscheinlich sagen, denn alle drei sind sehr Musik- und Opernaffin und Doris Kloimstein hat auch einen Text über Prawy geschrieben und wenn man jetzt zu Feuilletonredakteur Edwin  Baumgartner übergeht, der Musikwissenschaften studiert hat, so kann man verallgemeinern, daß seine Anekdoten von nicht so bekannten Dichtern handeln und bei einigen bin ich mir auch nicht sicher, ob es die Dichter, die beispielsweise nie ein Wort geschrieben haben, aber ihre Romane hervorragend erzählen konnten, wirklich gegeben hat.

Er berichtet aber auch von der „Axt des Michael Guttenbrunners“ und den hat es gegeben und ich war zumindestens bei seiner Gedenkveranstaltung in der „Gesellschaft für Literatur“.

Er erzählt von einer Lesung, wo einer eher herumstottert, dann kommt ein Besucher, der wie Peter Handke ausschaut und alle sind gebannt und Doris Kloimstein, die ich bei einer GV-Nö Regionalversammlung, als ich in St. Pölten wohnte und nach Wien pendelte, kennenlernte, gibt natürlich ihr Wissen über den St. Pöltner Literaturbetrieb und ihre Verletzungen und Kränkungen, die sie dort erlebte, wieder. So hat sie ja die Zeitschrift „Etcetera“ gegründet, bekam dann aber einen Brief, daß das angeblich ein anderer getan hat und mit einer von ihr nicht namenlich genannten Leiterin einer literarischen Gesellschaft hat sie sich auch zerstritten.

Doris Kloimstein ist Mitglied des PENs und da im Frauenvorstand sehr aktiv, oder zumindest war sie das, denn der Literaturbetrieb ist ja ein Intrigantenstadl, so daß ich wahrscheinlich froh sein kann, daß ich von ganz außen lustig vor mich hinblogge. Da werde ich zwar literarisch nicht ernst genommen, bekomme keinen <platz in einer Literaturwohnung, aber ich werde nicht hinausintegriert, weil wo nichts ist, kann man ja nicht holen, trotzdem werde ich, Leser hört her in dem Buch namentlich, allerdings nicht ganz richtg erwähnt, denn ich habe die „Schreibgruppe“, zu der Doris Kloimstein dazugestoßen, nicht gegründet.

Das waren schon Ruth Aspöck, Robert Eglhofer und Ingeborg Reisner, weil der Robert, als er nicht mehr in der Litges war, die eine Schreibgruppe hatte, eine solche brauchte.

Ich bin erst später zu ihr gestoßen, bin aber, wie die Ruth bei der GAV und diese Zweiteilung der österreichischen Autorenversammlungen, ist ja auch sehr interessant und füllt  auch schon ganz Bücher, obwohl es um die GAV inzwischen eher ruhig ist.

Ein interessantes Buch also mit dem man ein bißchen in den heimischen Literaturbetrieb hineinschnuppern kann, wenn man mehr darüber wissen will, sollte man allerding die Originale oder Biografien lesen und das habe ich ja auch getan, bin ich ja, in der Literatur sehr bewandert und habe auch meine Anekdötchen zu erzählen, obwohl mir das niemand so recht glauben will.

2019-01-27

und fließt die zeit wie wasser wie wort

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
Tags: , ,

Und wieder ein wenig Lyrik, die kommt ja bei meinen Bücherbergen und den dicken Schmökern von Romanen, die manchmal darauf liegen und ich ja auch eine dicht an der Realität befindende Romanschreiberin bin, oft ein wenig zu kurz, obwohl im März ja wieder der Mona der Lyrik naht, es in der „Alten Schmiede“ und auch sonst wo die Lyrik-Festivals gibt und ich  auch erst vor kurzem bei einem Lyrikabend war, da habe ich die 1940 geborene Christl Greller getroffen, die  rührige bemühte GAV-Kollegin, die  Werbetexterin war und sich 1995, wie ich dem Klappentext entnehme, dem literarischen Schreiben zuwandte.

Gehört oder gelesen habe ich das erste Mal, glaube ich, von ihr, als ich so um 2000 muß das gewesen sein, eine eifrige Besucherin der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft war, zu der ich  durch „Luipold Stern-Preis“ gekommen bin und sie dort, glaube ich, eines ihrer Bücher vorstellte.

Sie hat, entnehme ich, weiter dem Klappentext, drei Erzählbände, einen Roman und sechs Gedichtbände, die Erzähbände „Der Schmetterlingsfüßler“ 1998 erschienen und „Schatten werfen“ habe ich in meinen Regalen, ebenso das „Podium-Portrait-Gedichtbändchen“, das sie mir freundlicherweise einmal verehrte.

Als ich 2002 bei dieser Halbpreisschiene in dem damals noch nicht so existierenden Schmiedesaal in den Semesterferien, um fünf Uhr Nachmittag mit Uwe Bolius in der „AS“ gelesen habe, war sie unter dem Publikum, da habe ich sie persönlich kennengelernt und sehe sie seither immer wieder im  bei Veranstaltungen, in der „Alten Schmiede“, im Literaturhaus, in der „Gesellschaft“ und bei den „Mittleren“ hat sie auch einmal gelesen.

Sie organisiert auch selber Veranstaltungen und da ist, wie beim vorliegenden sechsten oder siebenten Gedichtband, die Zeit das Thema, „Die Zeit und wir“ heißt es da und da habe ich bei einer ihrer Veranstaltungen in der Klimt Villa gelesen, sucht sie für ihre Veranstatlungen ja immer ungewöhnliche Orte, ich war aber auch bei einem ihrer Lyrik Abende in der „Gesellschaft“ und und.

Es gibt Preise und Gedichte, die im „Standard“ und in Ö1 erschienen ist, ist Christl Greller ja, wie schon beschrieben sehr bemüht und so gibt es auch in dem vorliegenden in der „Editon  lex  liszt“ erschienenen Band, sehr viel Kollegalität, nämlich ein Mottogedicht von Marie Therese Kerschbaumer, der großen Dichterin, die ich im Arbeitskreis schreibender Frauen schon in den soäten Siebzigerjahren kennenlernte und Zeichnungen, schöne zarte Graphikmuster von der 1935 bei Villach geborenen Angelika Kaufmann, die ich auch regelmäßig in der „Alten Schmiede“ sehe, gibt es in dem Buch auch und ein Nachwort von Rudolf Kraus, der das Fließen und die Bewegung, der klein geschriebenen Texte erwähnt. Das Wasser und die Zeit, die als ständige Thema, das sich durch das hundertzehn Seiten Bändchen fließt. Die Vergänglichkeit ist ebenfalls ein ständiges Thema, das ja sowohl mit dem Fließen, als auch mit der Zeit zusammenhängt, ein Suchen, ein Bewegen und ein sich Ausdrücken und dann gibt es auch Momente, da findet sich nichts, man muß warten, stehenbleiben, ausatmen und an Morgen denken.

„hm“ heißt das Gedicht „und denke und denke und denke – und finde nichts, das wichtig genug ein gedicht darüber zu schreiben. vielleicht morgen?“ schreibt Christl Greller und man kann das Schwerfallen des Stehenbleibens und Verweilen müßen hautnah spüren und doch ist man zu diesem Zeitpunkt auf Seite zweiundsiebzig und ist mit Christl Greller schon durch viele bewegende Momente gegangen und sehr schön finde ich die Zusammenfassungen, ein paar kurze klare Worte, die unter manchen ihrer Gedichte stehen, beim „schneefall“ zum Beispiel:

„auf den lippen eine flocke und zergeht. und kühl vor den augen der tanz, und leicht auf den schultern die liegengebliebene last.

morgen salzstreuung“

Es gibt Gedichte, die an ihre Reisen nach Norwegen erinnern und dann eines das den „pannonischen sommer“ beschreibt: „und reben, reih und glied, in liebe aufgebunden. der see als streif am horizont“, die letzte Zeile wird refrainartig mehrmals wiederholt, was uns die pannonische Landschaft so richtig vorstellen läßt und das Gedicht „blattgold“, das die Vergänglichkeit des lebens, wie noch bei ein paar andere, wohl am stärksten zeigt:

„jetzt nicht mehr sparen, später ahorn und verschenkt, verschleudert er sein gold – und nützt ihm nichts, wenn es an sterben geht“

Man kann sehr schön in diesen zarten Zeilen ungehemmt von hinent nach vorne springen und sich dabei von der auch immer kritischen und manchmal auch melancholischer Sprachmelodie umhüllen lassen.

Kommt dann zur „doppelstunde“, wo Christl Greller den Zeitsprung beschreibt, wo die „sommerzeit wieder normalzeit“ wird, die sich listig ausnützen läßt:

„einmal wunscherfüllung einmal ZWEImal leben seis nur von zwei bis drei zeiger zurückgestellt, stunde wiederholt. zweite chance gehabt – und doch: weiter wie immer“

Sehr beeindrucken würde ich sagen und so gleitet man sprachumhüllt durch das Bändchen, um über dem ebenfalls sehr beeindruckenden „Chipgedicht“ zu einem Wien-Zyklus, den „Gesichtern einer Stadt“ zu kommen, wo Christl Greller für jeden Monat vom Jänner bis Dezember ein eigenes Gedicht hat, das von den „farblosen tagen, der abgeschalteten weihnachtslichter am graben“ im Jänner bis zum Dezember, wo es „auf jedem freien  platz im häusergewühl, eine holzhütte, sogenannter weihnachtsstand“ gibt.

Und so bin ich an das Ende des Bändchen gekommen, kann mich bei Christl Greller für das von ihr gewünschte Lesevergnügen bedanken, ihr den Anklang den es bei mir gefunden hat, versichern, hoffe auch das entsprechende Feedback gegeben zu haben und kann ihr noch weitere Lyrikbände wünschen.

2019-01-20

Und essen werden wir die Katze

Ein Buch mit „Geschichten über Sicherheit und Unsicherheit, Kindheiten und Biografien, Fluchten und Neuanfänge mit Illustrationen und Collagen“, der 1980 in Bludenz geborenen Nadine Kegele, die ich glaube ich, am Volksstimmefest kennenlernte, bei Angelika Reitzers lyrischen „Textvorstellungen“ gelesen, in Klagenburt den „Publikumspreis“ gewonnen hat und die nach einem Roman und einem Erzählband, Maxis Wanders „Guten morgen du Schöne“ neugeschrieben hat und sich jetzt sehr lyrisch und auch sehr gestalterisch mit dem Thema Flucht auseinandersetzt, was in Zeiten, wo Patrioten und Identitären sich darin überbieten, einem Gewaltakt nach dem anderen aufzuzählen, um  in Deutschland etwas zu verändern, was  in Österreich schon so sein könnte. Auch davon erzählt das bunte Buch in dem sich  Collagen mit Interviews und  Erzählungen abwechseln und das auch auf der letzten „Buch-Wien“ vorgestellt wurde.

Nadine Kegele dankt im Anhang „Allen Kindern aus dem Sommer 2016“, da hat sie vielleicht Deutsch unterrichtet, woraus vielleicht eine der Geschichten entstanden ist und „Allen Interviewten – denen ich wünsche, dass sie in Österreich eine neue Heimat finden können und diese Heimat sie gut behandelt“, was ja etwas ist, was sich die Patrioten vielleicht nicht so wünschen und deshalb würde ich ihnen und allen, die vielleicht Angst den Veränderungen haben, das Lesen des Buches sehr empfehlen, das in „Schweinebraten, Freiheit“ schon mit einem Collagenteil beginnt.

In „Kopfweh aus Kuwait“ geht es um ein Interview, da erzählt ein „Bidun“, wie es ihm in Österreich geht und wie er hierhergekommen ist, während es, wenn ich es richtig verstanden haben, in „Syrien ist heimlich in Polen verliebt“ um einen Deutschkurs geht, wo sich die Schülter Ländernamen ausdenken und damit mit ihrer Lehrerin kommunizieren.

In „Schmetterling und Holz“ werden die Erfahrungen einer afghanischen Frau und eines afghanischen Mannes untereinander gestellt, so daß man ihre Schicksale, Ansichten und Lebensläufe schön miteinander vergleichen und viellecht auch besser verstehen kann.

Dann folgen wieder Collagen und musikalisch wird es in „Flügeln die mir wuchsen, weil ich fiel (keine kammermusik mehr). Es werden gleich Anweisungen gegeben, wie man „den folgenden Text“ lesen soll und am Schluß werden die Texte zitiert, die dabei verwendet wurden.

In „Wolfen“, eine Geschichte, die ich sehr berührend fand, geht es um eine alte Frau, die sich einen <hund zugelegt hat.

Sie wohnt bei einem „Lidl“ und neben einem Asylheim, steht den ganzen Tag am Gitter vor ihrem Fenster und schaut hinaus. Sie hat noch eine Freunin, die Anni, die offenbar etwas lieberaler denkt, aber die kann nur mehr telefonieren und sie wegen ihrer Hüften nicht mehr besuchen, so daß ihr nur die Fernsehnachrichten und die Angst vor den Fremden bleibt.

Weiter gehts mit Collagen, von denen die erste das Titelbild darstellt und von denen ich einige zitieren möchte:

„Liebe ist emotionale Mindestsicherung ist finanzielle Katasthrope und sagt Mutter kein Almosen“ oder „Aber ich für meinen Teil kann an Solidarität nichts  Schlechtes finden“ oder „Liebe Mutter hat ein Badeanzug eigentlich auch etwas mit einem Kopftuch zu tun?“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es kommt aber noch eine Geschichte von einem Bauarbeiter, der sich auch, wie die alte Frau in der vorigen Geschichte, an des neuen Kanzlers Aussehen orientiert und sich für Margritte und andere Maler interessiert.

Ein sehr interessantes Buch, weil es zeigt, daß man sich mit dem Thema Flucht und Migration auch ganz anders, nämlich künstlerisch entspannter, annähern kann und das vielleicht nach dem Lesen eine andere neue Sichtweise auf das momentan sehr aufgeheitzten Thema geben kann.

 

 

Nächste Seite »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.